Haben die imaginären Räume jemals den male gaze hinter sich gelassen?

Unbedingt lesen! In der neuen Ausgabe von CARGO gibt es einen exzellenten Essay von Cristina Nord: Beide Augen schließen sich.

Alles, was Cristina Nord hier übers Kino und die Welt des Films berichtet, kennen wir exakt so aus der (Kriminal)Literatur. Die Kino- wie die Krimiwelt sind »endlessly fascinated by representations of male bad behavior: obsessive, dominating, abusive, violent« (Girish Shambu) – ungebrochen fasziniert von Abbildungen männlichen Danebenverhaltens: zwanghaft, anmaßend, übergriffig, gewalttätig.

#makewomenvisible

Als eine, die extrem viel Kriminalliteratur liest, bin ich wie Cristina Nord bis heute ständig am Zweifeln, ob die imaginären Räume auch nur ansatzweise den male gaze hinter sich gelassen haben. Auch wenn wir in den letzten Jahren viel Freude an niveauvoll reflektierender Vernetzung rund ums Krimigenre hatten, wozu insbesondere die »Krimis machen«-Konferenzen zählten, überschatten die althergebrachten blinden Flecken auch solche Zusamenkünfte denkender, krimiaffiner Menschen in erschreckendem Ausmaß. An »Krimis machen 4« in Köln muss ich unwillkürlich denken, wenn ich bei Cristina Nord diese Sätze lese: »Wo immer ich mich aufhielt, um das Schaffen von Regisseur*innen kennenzulernen oder mein Wissen darüber zu vertiefen, traf ich auf Filmkritikerinnen, Festivalarbeiterinnen und Filmemacherinnen. Die Kollegen hatten andere Termine.«

»Zeit für Workshops zum Thema Privilegien, wie man sie abbauen kann und was man gewinnt, wenn man das tut?« fragt Cristina Nord trocken. Das behalten wir mal für die nächste Genre-Zusammenkunft im Auge, ja?

Und bis dahin werden wir uns wohl immer wieder als feminist killjoy betätigen, ein Konzept, das Nord ebenfalls erläutert und das wir aus der Literatur bestens kennen – sei es in Gestalt von #frauenzählen oder anderen Kämpfen um Diversität und Einzug von nichtmännlichen Perspektiven in die Große Erzählung. Viele von uns, die wir auf Sichtbarkeit beharren, trifft der Vorwurf der Spielverderberin, weil wir die »automatisierte Ehrererbietung« (Nord) verweigern. Die Rolle der feminist killjoy scheint mir kreativ und ausbaubar. Bis das Spiel besser wird.

Den CARGO-Artikel bitte hier lesen:

https://www.cargo-film.de/heft/50/essay/beide-augen-schliessen-sich/

https://www.film-rezensionen.de/wp-content/uploads/2011/06/Geheimnis-hinter-der-T%c3%bcr-Frontpage.jpg

#makewomenvisible

Über Else Laudan

Ich bin Else, seit 1988 als hartnäckige Feministin und Ariadne-Lektorin/Verlegerin unterwegs in der Kultur rund um den Krimi. Schlechte Schreibe, Leser/innenverarschung und die meisten sozialen Verhältnisse auf diesem Planeten finde ich kriminell. Natürlich diskutiere ich mit Begeisterung unser Projekt Ariadne: Bücher, Geschichte, Idee, Autorinnen, Label und Anspruch, alles. Krimis an sich faszinieren mich, und ich kommentiere alles gern.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Der weibliche Blick, Feministin, Gesellschaft, Kino, Standpunkt abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s