Wahrnehmungsstörungen – Kritik an Kritik

Von Katja Bohnet

pubStammtischreden

Einstieg für einen Thriller. Schwarzes Cover, der Titel: „Unsere Realität“.

Das Krimi-Debüt eines Schriftstellers wird in den ersten Wochen von mehreren Zeitungen und Sendern besprochen. Dafür müssen Frauen mindestens acht Kriminalromane schreiben. Es empfiehlt sich ein strategisch günstiger Verlagswechsel nach dem sechsten Roman, am Besten zu einem literarischen Haus, kein reiner Publikumsverlag. Wenn Sie sich jetzt fragen, was genau „literarisch“ ist, erwarten Sie von mir keine Erklärungen. Weil ich es Ihnen nicht sagen kann. Vermutlich möchte Ihnen jemand weismachen, dass hier „Literatur stattfindet“, ein hochwertigeres Klassement, andernorts nicht. Was das „andere“ ist, bleibt unklar. Weichkäse, Holzfurnier, verdünntes Bier, suchen Sie sich etwas aus. Der Roman des Schriftstellers wird jovial von den männlichen Kritikern rezensiert. Starkes Stück, hart und schonungslos. Typ ist am Ende, rettet unglückliche Frau. Held schlägt sich durch karge Kopie - DSC_0914.JPGLandschaft oder Stadt bei Nacht, Wetter schlecht. Noir. (Nichts gegen Noir. Auf die Gründe für Ihre Zuneigung kommt es an.) Held hört Blue Note, Best of Jazz oder Bob Dylan. Dazu noch eine Prise Breaking Bad. Oder Action, bis die Schwarte kracht. Superhelden, Superschurken. Mehrheitlich kommen Männer als Figuren vor. Gesprochen wird, wie Männer sich vorstellen, dass echte Männer sprechen. Come on! Das riecht doch nach Klischee. Primärreflexe (Männchen machen, Klatschen, Klicken) lösen die Worte Fauser und Faulkner aus. Kritik kann manchmal unglaublich Stammtisch sein. Männer neigen zur Gruppenbildung, besonders abendlich. Rauer, herzlicher Ton. Männerthemen. Theke, Alkohol. Da spielt man sich die Bälle zu. Angenehm, wenn das eigene Lebensgefühl, die eigene Identität bestätigt wird. So kann auch Kritik klingen.
Natürlich sind Kritiker total unabhängig.
Das Geschlecht interessiert sie nicht.
Sie schauen selbstverständlich nur auf Qualität.

pup3Ausnahmen, die nicht die Regel sind

Stopp. Bis zu diesem Punkt kommen viele Autorinnen von Kriminalromanen gar nicht. Nicht beim ersten Buch. Ausnahmen existieren, ja. Wenige, Einzelerscheinungen. Aber Ausnahmen sollten die Regel sein. Möglicherweise liegt es bei einer Ausnahme an einem großem Verlag. Oder: Die Rechte wurden vorher in mehrere Länder verkauft. (Unglaublich große Ausnahme.) Oder: viele Follower. (Als Mann brauchen Sie keine Follower. Es sei denn, Sie schreiben Frauenliteratur. Falls Sie wissen, was genau das ist.)  Oder: die „Wir müssen wieder mal ´ne Frau machen“-Besprechung im Feuilleton. Oder: Autorin sieht sexy aus. Wie wichtig das Aussehen einer Schriftstellerin ist, erhebt Literatur zum Gesamtpaket. Verkaufe Frau mit Roman. Kann einem männlichen Debütanten jedoch auch passieren. Der Hype ist hausgemacht. Wenn die Welle rollt, bemerken Sie: Hier kommt der nächste Star. (Wenn erst mal Paletten in den Buchhandlungen stehen, versuchen Sie einmal, dieses Buch nicht zu kaufen. Wenn alle XY besprechen, wie dagegen auflehnen?) Erwarten Sie in diesen Fällen nicht zu viel. Die Masse soll beglückt werden. In neunzig Prozent der Fälle geht das eher mit Wasser als mit Wein.

Sorry, nicht relevant

Moment mal, sagen Sie, ich will Zahlen sehen. Bekommen Sie, weil ich nämlich gerade anfange zu zählen.

Ziehen Sie sich mal die Webseiten Ihrer Lieblingskritiker rein! Wieviele Autoren werden besprochen und wieviele Autorinnen? Okay. Es gibt eben mehr Männer, die schreiben, sagen Sie. Da sitzen Sie einer Wahrnehmungsstörung auf. Die Hälfte aller Kriminalromane wird von Frauen verfasst. Aber Sie bekommen überwiegend Männer zu sehen. Schon mal bei Wikipedia geschaut? „Enzyklopädisch relevante Autoren von Kriminalromanen“ heißt es da.

Relevant. Wer als erster eine Frau auf der Liste findet, erhält einen Thalia-Gutschein für ein „Frauenbuch“. Zählen Sie bei den einzelnen Buchstaben ruhig nach! Männer im Verhältnis zu Frauen: 3:1, 6:1, 4:1, ff. Auf Frauen sollten Sie hier nicht wetten. Ihre Quoten stehen nämlich schlecht. Wenn Sie sich die Tränen der Trauer aus den Augen gewischt haben, benötigen Sie vielleicht gar keine Zahlen mehr. Ihnen reicht das sichere Gefühl: Männer beherrschen das Geschäft. Je mehr Männer einen Mann besprechen, desto mehr Männer besprechen einen Mann. Frauen tauchen erst gar nicht auf.

pup2

Literaturkritik als Einparteiensystem

Erzählen Sie das Frauen, rennen Sie offene Türen ein. Erzählen Sie das Männern, setzt ein Hang zum Nivellieren ein. Die meisten Männer nicken bestenfalls, finden die Reaktionen eher übertrieben, beschwören Zufälle, dösen und machen weiter wie bisher. Läuft seit Jahren auch ganz gut für sie. Sie sind ein Mann und Ihr Debüt wurde ebenfalls nicht besprochen? Sie sind es vielleicht nicht gewohnt, aber hier geht es nicht um Sie. Sie sind ein Mann und Ihr Debüt wurde von Männern hochgejubelt? Wie fühlt sich der geschenkte Erfolg unter Buddies eigentlich so an?

Die Debatte über Männer, die Männer besprechen, wirft Fragen auf: Wie ist es um Qualität im Kriminalroman bestellt, wenn typisch Männliches gehyped wird, aber eigentlich nichts kann? Hauptsache Mann. Da besetzt Durchschnittliches Ränge, die Gutem qua Geschlecht vorenthalten bleiben. Kein Platz mehr frei, nur Männer sind dabei.

So’n Quatsch, drei Frauen rangierten doch auf den ersten Plätzen der September-Krimibestenliste, sagen Sie.

Leider eine Ausnahme. Es dürfte ruhig häufiger so sein. Was aber ist mit Kritikerinnen, fragen Sie? Lassen Sie mich die Frage zurückspielen: Warum kennen Sie nur eine? Oder keine. Die Heiligsprechung erfolgt durch einige wenige männliche Kritiker. O-Ton: Ah, der! Das kaufe ich. Frauen liefern hervorragende Kritiken, aber sie werden weniger bemerkt oder zitiert. Interessant auch die Platzierung: Wo finden Sie die Kritiken von Frauen? Frontpage oder „unter ferner liefen“ …? Schauen Sie auf den Buchrückseiten nach. Wessen O-Ton wird genannt? Wessen Stimme geben Sie Gewicht?

Die Ironie: als Autorin benötigen Sie die Gunst männlicher Kritiker. Weil Sie als Schriftstellerin von Kriminalromanen sonst nicht bemerkt werden.

Gönnen Frauen vielleicht anderen Frauen Erfolge nicht? Übernehmen sie patriarchalische Verhaltensmuster? Gibt es. Traurig, aber wahr. Wenn die Nachfolge der Kritiker einer klassischen marktwirtschaftlichen Systematik folgt, stellen Männer in Redaktionen auch Männer ein. Viele Männer empfehlen Männer. So etwa: Bleiben wir doch lieber unter uns! Da wissen wir, was wir haben. Schulterklopfen, stilles Einvernehmen, joviales Zunicken.

Warum aber besprechen Frauen im Durchschnitt mehr Autoren und nicht deutlich mehr Autorinnen? Keine Ahnung. Kapiere ich selbst nicht. Hier wäre die ganz reale Möglichkeit zur Durchsetzung der eigenen Quote da. Muss man natürlich gegenüber den häufig überwiegend männlichen Redaktionen rechtfertigen. Und Frau möchte ihren Job behalten. Und Frau will nicht vermuten lassen, dass sie parteiisch ist. Was wäre das für ein Let-Down für jeden Mann, wenn vorübergehend nur Autorinnen besprochen würden? Die Bücherredaktion von MDR Kultur hat das gerade spaßeshalber mal im August 2017 probiert. Umdenken und gelegentlich einer Autorin den Vorzug oder einen Vertrag geben. Verrückte, neue Welt.

alkNägel für Särge

Sind Sie leider mit Brüsten als sekundären Geschlechtsmerkmalen auf die Welt gekommen und verspüren den Drang, Kriminalromane zu schreiben, fotografieren Sie sich mit einem Glas vor einer Bourbon-Flasche. Die Flasche ist natürlich halb leer. Posten Sie das Bild auf Instagram. Lassen Sie jeden auf den sozialen Medien wissen, dass sie auf Regeln scheißen, dass Sie Geschwafel hassen. Man nennt Autoren dann Originale oder coole Typen, Schriftstellerinnen werden eher mit „billige Schlampe“ tituliert. Frauen werden so zur Stefanie Sargnagel ihres eigenen Sargs gemacht. Schlagen Sie öfter mal verbal über die Stränge, posaunen Sie irgendetwas hinaus und tun Sie hinterher so, als sei es Ihnen total egal. So wie Preise. So wie Kritiken. Die lesen Sie ohnehin nicht, weil Sie nur Ihr eigenes Ding durchziehen. Tun sie all das, aber tun Sie es besser unter einem männlichen Pseudonym.

Erst mal das Niveau halten

Ansonsten stellen Sie sich bitte hinten an! Autoren von Kriminalromanen wird ein „knallharter Ton“ attestiert, eine „kompromisslose Geschichte“, die sie erzählen. Benutzt werden Adjektive wie „lakonisch“ und „schnörkellos“. Autorinnen werden schon geadelt, wenn sie in Kriminalromanen „packend“ und „aufrüttelnd“ erzählen. Als würden Sie Cola und Fanta Zero miteinander vergleichen. Im originellsten Falle heißt es, dass Frauen schreiben „wie ein Mann“. Diejenigen in den Presseabteilungen können überlegen, ob sie das Prädikat als Beleidigung verstehen mögen oder nicht. Aber auch schlechte Presse ist gute Presse. Ach, was soll’s. Die Welt ist einfach … kompliziert. Männer sind Hardcore. Frauen höchstens fest. Wie eine anständige Brust. Eine Handvoll. Sollte stehen, nicht hängen. Konsistenz: nicht zu weich.

Männerdebüt: voll gelungen. Frauendebüt: Mal sehen, ob sie das Niveau halten kann. Bei Schriftstellern reicht es, wenn sie einmal brillant waren oder brillant genannt werden. Frauen sollen erst zeigen, was sie nach dem dritten Roman noch drauf haben, ob sie Themen variieren können, ob sie durchhalten. Gunst muss eine Autorin sich erst erwerben. Deshalb ist es besser, wenn man sie erst nach dem dritten, sechsten, achten Roman wahrnimmt und bespricht, um danach zu sagen, man habe es immer schon gewusst.

geldZahltag

Es gibt wenige männliche Kritiker, die überdurchschnittlich viele Frauen besprechen. Falls Sie denken: Ah ja, das bin ich, verlassen Sie sich darauf: Sie sind es mit großer Wahrscheinlichkeit gerade nicht. Es gibt aber auch männliche Kritiker, denen die Presseabteilungen der Verlage gar keine Romane von Schriftstellerinnen schicken. Weil sie einfach nicht gelesen werden. Sind ja Männer, warum sollten sie? In was für einem Mittelalter leben wir eigentlich?! Wir schreiben das Jahr 2018, nur zur Erinnerung. Kritik, Jury, Preise: Männer. So dreht sich das selten paritätisch besetzte Karussell.

Na, verdrehen Sie die Augen? Langweilen Sie sich? Kein Wunder, ist ja auch ein hinlänglich bekannter Diskurs. Ach, könnten sich doch Frauen diesen Luxus leisten. Falls Sie sich immer noch langweilen, haben Sie gerade eine Mitschuld adoptiert. Eine Mitschuld daran, dass Gleichberechtigung nicht mehr als ein Thema bleibt. Streicheln Sie Ihr Baby, damit das Thema bloß nicht zur Realität werden kann. Es ist übrigens kein Kavaliersdelikt, fünfzig Prozent der Bevölkerung zum eigenen Vorteil Sichtbarkeit zu verweigern. Das Gegenmittel ist bekannt, aber die bittere Pille wird nicht gern geschluckt. Wir brauchen weniger Männer, die überwiegend Männer rezensieren.

Wir brauchen mehr Frauen in den Jurys, in den Redaktionen, wir brauchen laute Kritikerinnen, die mehr Schriftstellerinnen besprechen.

Wir brauchen mehr Schriftstellerinnen auf den Leselisten der Schulen, damit unsere Kinder nicht wie wir mit einem überwiegend männlich geprägten Lese-Kanon aufwachsen. Wir brauchen mehr Verlagsmitarbeiterinnen, die Autorinnen das Vertrauen schenken. Wir brauchen mehr Autorinnen. Bewerbungen ohne Bild, ohne Ton. Vor der Qualität kommt doch das Geschlecht. Ohne Sichtbarkeit, keine Akzeptanz. Keine Relevanz. „I Am Not Your Negro.“ In einer gerechteren Welt könnten wir uns vielleicht endlich Inhalten und nicht mehr nur Statistiken widmen. Solange kann jede/r fühlen, sehen, dass wir in einer geschlossenen Gesellschaft leben. Falls Sie eine Tochter haben, versuchen Sie, ihr das zu erklären. Und dabei das Gesicht zu wahren.

Solange wird bei jedem Preis, bei jeder Veröffentlichung, bei jeder Kritik gezählt. Frau für Frau für Frau.

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10 Antworten zu Wahrnehmungsstörungen – Kritik an Kritik

  1. Eine Autorin schreibt:

    Sehr schöner Beitrag!

    Ich bin übriges auch eine Frau, die sich gern klar ausdrückt. Wenn online bekannt ist, dass ich weiblich bin, wird mein Tonfall grundsätzlich negativ aufgefasst. Wenn die Personen davon ausgehen, ich sei männlich (obwohl ich das nie behaupte oder suggeriere), ernte ich für dasselbe Verhalten oft Beifall. Insofern überrascht es mich nicht, dass gleich im ersten Kommentar von „angestrengt“ die Rede ist.

    Frauen haben gefälligst still und brav zu sein, den Mund zu halten und sich anständig zu benehmen. Tun sie das nicht sind sie a) „neidisch“, b) „zickig“, c) „viel zu aufgeregt, die Hormone …“ oder d) „angestrengt“. Ich würde eher sagen, Frauen mit klaren Ansagen sind anstrengend – für Menschen, die die Wahrheit nicht hören wollen.

    Zum Artikel selbst: Ich sehe noch weitere Probleme. Es gibt einen männlich geprägten Stil, der sich auch in Jury-Köpfen eingeprägt hat. Ich glaube, es war beim MDR-Literaturwettbewerb, bei dem festgestellt wurde, dass die Anonymisierung allein nicht den erhofften Erfolg hatte. Ich bin sehr für Anonymisierung bei Rezensionen und Jurybewertungen, weil sie in anderen Fällen hilft. Aber das Problem sitzt viel, viel tiefer.

    Das soll kein Widerspruch sein, sondern eine Ergänzung.

    Darüber hinaus bewerten Frauen ironischerweise meist fairer und sachlicher. Männer müssten nicht einmal Angst haben, wenn Jurys rein weiblich besetzt wären – denn einerseits werden diese Frauen alles dafür tun, um bloß nicht als „Männerhasserinnen“ dazustehen, andererseits sind sie selbst von männlich-dominierten Literaturstil geprägt.

    Rein männliche Runde? Normal. Rein weiblche Runde? „Wie könnt ihr nur!!!“

    Selbst Schriftstellerinnen haben oft Probleme damit, dreidimensionale weibliche Figuren ohne Klischees zu schreiben. Aber wenn Bücher von Autorinnen gehypt werden, dann sind es meist solche klischeebeladenen. Bei ze.tt/Zeit Online gibt es übrigens einen lesenswerten Artikel dazu, was Sexistinnen motiviert – und warum sie bei Männern so beliebt sind: https://ze.tt/was-treibt-sexistinnen-an/

    Insofern kann ich die Forderung nach mehr Schriftstellerinnen auf Leselisten für Schüler gar nicht genug unterstreichen. Es gibt so viele herausragende Schriftstellerinnen – lebende, verstorbene und solche aus längst vergangenen Epochen. Es wäre an der Zeit, ihnen endlich Gehör zu verschaffen.

    Gefällt 5 Personen

  2. Lothar Klinges schreibt:

    Ich muss sagen der Text, auch wenn ich die Grundaussage nicht grundsätzlich verneine, zu polemisch und sehr angestrengt geschrieben ist. Es wirkt wie in Wut geschrieben, und das liest sich nicht sehr angenehm. So wird auch der Kern der Aussage nicht glaubwürdig rübergebracht. Zahlen sieht man auch kaum, es wird nur viel behauptet.

    Ich muss dazu sagen dass mich das Thema nicht sehr anspricht, lese nicht viele Krimiromane. Dass man jedoch solche Quoten quasi „aufzwingen“ soll halte ich für grundsätzlich falsch. Oder was war nun Ihre Lösung? Dass Frauen im Gegenzug genau so unausgewogen nur Personen ihres Geschlechts rezensieren sollen um damit das Ganze wieder ins Gleichgewicht zu bringen?

    In anderen Bereichen werden Frauen in gleichem Maße „bevorzugt“, ob nun bewusst oder unbewusst, von daher sehe ich dass eher als natürlich an. Es mag nicht schön sein, aber solch ein (Um)denken kann man schwer „verpflichten“.

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    • antigonet schreibt:

      Lieber Herr Lothar Klinges,
      bei Frauen, insbesondere Schriftstellerinnen, stößt der Beitrag auf große Begeisterung und Solidarität. Es liegt nahe, dass Sie es als unangenehm, angestrengt und polemisch empfinden, diesen Artikel zu lesen, weil Sie sich als Mann direkt angesprochen fühlen. Seien Sie versichert, der Artikel wurde keinesfalls wütend verfasst. Treffend, mit einer Prise Sarkasmus: ja. Überlegt und direkt: Ja. Unzufrieden mit den Verhältnissen: ja. Falls Sie für Gleichberechtigung sind, warum sollten Sie etwas gegen eine Quote haben? Denn Sie fördert nichts anderes als Gleichberechtigung. Wohlgemerkt: in diesem Fall z.B. die Hälfte aller Rezensionen im Bereich Kriminalromane. (Nicht mehr und nicht weniger.) Interessant, dass viele Männer eine Quote „Zwang“ nennen, während Frauen eher von einer „Notwendigkeit“ sprechen. Lesen Sie übrigens ruhig mal wieder einen Krimi. Es lohnt sich. Auch hier verweise ich nochmal auf den Link im Text. Auf die ersten drei Plätze der September-Bestenliste. So können Sie schon mit Ihrem Leseverhalten zu mehr Gleichberechtigung beitragen und werden gleichzeitig mit hoher Qualität belohnt.

      Gefällt 2 Personen

    • annekuhlmeyer schreibt:

      In welchen Bereichen werden Frauen bevorzugt? Finde ich spannend. Nur meine Erfahrung ist es nicht. Ich bin Schriftstellerin, aber ich arbeitete und arbeite auch als Ärztin und Psychotherapeutin in verschiedenen Regionen des Landes, in Kliniken und in eigener Praxis. In der Medizin kann ich keine Gleichbehandlung feststellen, weder bei der Vergabe der Stellen, noch bei der Bezahlung, noch bei der Verteilung der Aufgaben, geschweige bei der Verteilung imageträchtiger Positionen. In anderen Bereichen und Branchen sieht es nicht besser aus. (Zahlen und Statistiken sind ganz einfach im Netz zu finden.) Wo werden Frauen bevorzugt? Da will ich auch hin!

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  3. Markus Maier schreibt:

    Na ja – um einen Krimi kritisieren zu können, muss der ja erst mal verlegt werden. Man kann ja der Kritikerzunft kaum vorwerfen, dass sie etwas nicht kritisieren, was nicht da ist. :-/

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    • annekuhlmeyer schreibt:

      Hallo Markus Maier,
      so richtig verstehe ich den Einwand nicht. Was ist mit „nicht da ist“ gemeint?
      viele Grüße
      Anne Kuhlmeyer

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      • Markus Maier schreibt:

        Also: Wie sind den die Geschlechter unter den veröffentlichten Krimis verteilt. Ich befürchte nämlich, dass da die Herren deutlich vorn liegen. Und wenn dem so ist, dann kann man den Kritikern kaum vorwerfen, dass sie so wenige „Frauenkrimis“ besprechen. (Da will ich jetzt nicht dass Fass aufmachen, ob bei einer 65/35-Verteilung 70/30 oder 72/28 rezensiert wird) Und wenn ich mal einen doofen Vergleich anstellen darf: Ich habe mehr Männer- als Frauenschrott beim Lesen abgebrochen 😉

        Problem ist IMHO der Zugang zu den Publikationswegen. wahrscheinlich sollten sich die Verlage geschlossen zu einem System hinreißen lassen, dass Manuskripte komplett anonym eingereicht werden können.

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    • antigonet schreibt:

      Lieber Markus Maier,
      zu Ihrer Befürchtung, bei den verlegten Krimis „lägen die Herren lägen deutlich vorn“, zitiere ich aus dem Text: „Okay. Es gibt eben mehr Männer, die schreiben, sagen Sie. Da sitzen Sie einer Wahrnehmungsstörung auf. Die Hälfte aller Kriminalromane wird von Frauen verfasst. Aber Sie bekommen überwiegend Männer zu sehen.“
      Weiterhin hänge ich nochmals den Link aus dem Text an, der das belegt:
      http://www.deutschlandfunk.de/netzwerke-von-autorinnen-fuer-gleichberechtigung-in-der.700.de.html?dram:article_id=394687
      Zum Ihrem Vorschlag, Manuskripte anonym einzureichen, zitiere ich nochmals aus dem Text: „Wir brauchen mehr Verlagsmitarbeiterinnen, die Autorinnen das Vertrauen schenken. Wir brauchen mehr Autorinnen. Bewerbungen ohne Bild, ohne Ton.“

      Gefällt 3 Personen

      • Markus Maier schreibt:

        Ach verd… ich muss mir angewöhnen, Texte, auch längere, zwei mal zu lesen, bevor ich Kommentare absondere – ich bitte vielmals um Entschuldigung!

        Es ist irgendwie seltsam: Selbst wenn wir mal veraltete, dämliche und chauvinistische Rollenbilder auspacken: Frauen, die sich um den Herd kümmern sollen, sind auch da, wo es um Öffentlichkeit geht, im Hintertreffen: „Starköche“ sind vorrangig männlich. Macht das mit der Autorinneschaft auch nicht besser, aber zeigt, dass das Problem selbst bei klar verteilten Rollen „zugunsten“ der Frau existiert. :-/

        Dan bleibe ich mal weiter ratlos.

        Liebe Grüße!

        Markus

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