Smoothies sind nur für Frauen und Schwule

Pfirsiche.JPGMünchen hat die sexualisierte Werbung eines Smoothie-Herstellers verboten, den ich selber mal ganz gut fand. Jetzt nicht mehr. Stuttgart hat die Plakate auch verboten, nur dass die Firma dort nicht plakatieren will. In München aber sehr wohl. Jetzt tut sie es mit dramatischem Gestus des Zensiert-worden-seins. Ich finde das Verbot gut.

Kritiker nennen München nun „spießig“ und vermuten, die Jugend werde durch die „schlüpfrigen“ Sprüche zum Smoothie-Trinken bewegt, weil sie das irre lustig finden. Offensichtlich entgeht ihnen, dass die Werbesprüche nichts anderes als sexistisch sind. Sie machen Frauen als Konsumentinnen der Getränke zu  Objekten (Opfern) eines verbalen Geschlechtsakts. Ihnen wird die Smoothie-Flasche mit dem Versprechen in den Hals gesteckt, dass sie einen Samenerguss genießen können.

Lachen wir Frauen über so was?  „Oralverzehr – schneller kommst du nicht zum Samengenuss.“ Da können wir – wir Frauen – uns jetzt mal fragen, wie lecker Sperma schmeckt und wie wild wir darauf sind. Für Männer ist das jedenfalls nicht gedacht, es sei denn sie sind schwul und lieben Oralverkehr mit Samenspende.

„Besamt & befruchtet“. Richtet sich ausschließlich an Frauen, denn die werden ja beim Geschlechtsverkehr besamt und womöglich auch befruchtet. Wobei der so genannte männliche Samen ja gar kein Samen ist, denn er keimt nicht aus sich heraus. Er ist eher ein Pollen, der die weibliche Eizelle braucht, um irgendwas zu können. Schwule Männer sind hier bereits außen vor. Auch dieser Spruch kann sich nur an Frauen richten: „2 Samenspender aus gutem Haus.“

Den heterosexuellen Mann als Konsument hat die Firma offensichtlich nicht im Blick. Höchstens kann er die Rolle des Akteurs übernehmen, der im Namen des Smoothie-Herstellers mit der Flasche vor dem Bauch („Bei Samenstau schütteln“) seine Liebste angeht oder eine Frau, die er gerne ins Bett bekommen möchte:  „Oralverzehr – schneller kommst du nicht um Samengenuss.“ Und dann rammt er ihr die Flasche in den Mund.

Lesben dürften jedenfalls geringe Freude an den Sprüchen haben. Und ob eine 13-Jährige die massive Assoziation von Sex, also den Gedanken an das Eindringen des männlichen Penis in sie und an Oralverkehr tatsächlich entspannt und lustig hinnimmt, wage ich zu bezweifeln. Wie es einer Frau geht, die als Mädchen von männlichen Verwandten sexuell misshandelt wurde, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Oder den Frauen aus Kriegsgebieten, die vom Feind vergewaltigt und zum Oralverkehr gezwungen wurden. Aber wir müssen es uns vorstellen, um zu begreifen, was diese Firma da gerade tut.

Die Werbesprüche bewegen sich in einem Frame (einem Zusammenhang von Bildern und Assoziationen), der den Gedanken an sexuelle Aggression bis hin zur Vergewaltigung („nimm, schluck, ist gut für dich!“) beinhaltet. In jedem Fall ist es Verbal-Exhibitionismus schlechthin: nämlich die Präsentation eines Penis und seines Ejakulats zusammen mit der Behauptung, es sei für die Frau wunderbar, einem Mann einen zu blasen und sein fischig schmeckendes Sperma runterzuschlucken. Eine Werbung, die eine Flasche zu einem Phallus erklärt und seinen Inhalt zu Sperma, ist eine Werbung, die die Konsumentin zur Schlampe macht (schließlich treibt sie es ja dann mit Dutzenden von Schwänzen, also Männern). Es ist eine phalluszentrierte und damit an männlichen Maßstäben orientierte Werbung. Männer (etliche, aber nicht alle!) neigen ja dazu, sich selbst und ihr Geschlechtsorgan als Heilsbringer für Frauen zu definieren. Diese irrige, sich selbst überschätzende und sexuell aggressive Haltung hat die Firma hier übernommen.

Damit wünscht Herland guten Appetit. Es gibt ja zum Glück auch andere Smoothie-Hersteller. Echte Früchte sind sowieso viel besser.

Über Christine Lehmann

1958 in Genf geboren, lebt in Stuttgart und Wangen im Allgäu, veröffentlicht seit 1995 Krimis und andere Romane und bloggt.
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2 Antworten zu Smoothies sind nur für Frauen und Schwule

  1. gudrunlerchbaum schreibt:

    Ich denke allerdings schon, dass sich die Werbung primär an Männer richtet, weil sie sexuelle Assoziationen hervorruft, die ihnen behagen. Wenn man etwas trinkt, das dann angeblich solche Begehrlichkeiten beim anderen Geschlecht weckt, kann das ja der eigenen Potenz nur zuträglich sein. Geschmacklos und sexistisch bleibt es trotzdem.

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  2. portapatetcormagis schreibt:

    Geschmackloser Pennälerhumor ist noch das Netteste, was mir dazu einfällt.
    Hätte ich bisher das Zeug von denen gekauft, würde ich es jetzt nicht mehr tun.
    Die Werbung wirkt. Immerhin habe ich mir die Marke nun gemerkt für meine ganz private Schwarze Liste.

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