Positionen – Merle Kröger

Merle KrögerPro Quote?

Merle Kröger

Film ist Teamarbeit, die Schriftstellerin ist auf sich allein gestellt. Ich habe mich viele Jahre mit der Herstellung von Filmen beschäftigt, bevor ich mich an meinen ersten Roman gewagt habe. Mittlerweile genieße ich die Arbeit im Team an einem neuen Film genauso wie die Monate allein mit einem neuen Buch.

Dennoch steht auch beim Film am Ende der Name des Regisseurs oder der Regisseurin unter dem Film. Nachdem 2012 eine Statistik ergab, dass bei insgesamt 47 mit deutscher Filmförderung finanzierten Kinoprojekten die Regieposition ausschließlich männlich besetzt war, gründete sich die Initiative „Pro Quote“. Die Forderung des Vereins, dem heute 340 Regisseurinnen angehören, lautet schlicht: 50:50 bei der Verteilung öffentlichen Gelder, inklusive der Fernsehanstalten ARD und ZDF.

Der Buchmarkt in Deutschland ist noch stärker den Gesetzen des so genannten freien Marktes unterworfen als die Filmbranche. Es wird viel geredet von „Frauenliteratur“ und Frauen als größter Zielgruppe dieses Marktes. Was sie wollen und was sie nicht lesen wollen. Doch der Markt ist keine Naturgewalt, er ist seit Jahrhunderten ein steuerbares Instrument und Abbild gesellschaftlicher Entwicklung.

Hatte ich immer gedacht, die Gleichberechtigung sei eine Gerade, auf der ich an einem bestimmten Punkt geboren wurde und an der ich nun weiter mitarbeiten würde, bis sie schließlich – sehr bald – erreicht sein würde, stelle ich in den vergangenen Jahren mit fest, dass es vermeintlich vorwärts, in Wirklichkeit jedoch rückwärts geht. Schon der Blick in eine Berliner Schulklasse zeigt mir, dass die Geschlechter äußerlich und in ihren Vorlieben weiter denn je auseinander driften.

Als Leserin wünsche ich mir, dass ich selbst darüber entscheiden darf, was ich mir zumute. Als Autorin wünsche ich mir, nicht als „Quotenfrau“ bezeichnet zu werden, wenn ich Bücher schreibe, die ich selber gerne lesen würde. 2012 schrieb ich zum Genre: „Krimi ist gleich Dramaturgie ist gleich Melodram ohne Geschwätzigkeit, ist gleich fragen, um Antworten zu hören, nicht um der Fragen selbst willen, auch wenn ich die Antworten nicht immer hören bzw. lesen will. Ein Genre, in dem Härte und Dreckigkeit erlaubt ist. Sogar Verspieltheit, wenn man nicht selbstverliebt wird. Im Krimi steckt für mich auch ein großes Potential für Realismus, der nicht abbildet, sondern Realität interpretiert, weiterdenkt.“

Das Netzwerk HERLAND versammelt Autorinnen, die all das in ihren Büchern ausdrücken, jede auf ihre Weise. Der Austausch unter uns ist ein Geschenk an uns. In der Buch-Welt draußen können wir als Autorinnen eine Quote fordern, aber vor allem einen Raum. Wir füllen ihn mit unserer Vielstimmigkeit. Und sie wird lauter.

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