Mama, geht Papa auch in den Puff?

Bildschirmfoto 2016-04-29 um 09.02.08.jpgStuttgarter Bürger_innen regen sich über eine Plakataktion der Stadt auf, die sich an Freier richtet. Ekelhaft und „Wie erklär ich’s meinem Kind?“ Da wird wieder mal Bote geköpft, der mit der Wahrheit kommt.

Eine Zeitlang gab es kaum einen deutschen Fernsehkrimi ohne Rotlichtmilieu. Huh, wie schön verrucht! Sieht man ja sonst nicht, kommt man ja nie hin. Ende der 90er bin ich eine Nacht mit der Polizei mitgefahren. In einem Puff machte ein Freier Randale. Also auch ich rein ins legendäre Dreifarbenhaus. Die Puffmutter trug einen weißen Kittel, wirkte wie eine schwäbische Putze. Nix von Rotlichtromantik. Der Freier war unzufrieden mit Bildschirmfoto 2016-04-29 um 18.22.42.jpgder erbrachten Leistung und stand unter Drogen. Er wurde vor der Tür beruhigt.

Die eigentliche Stuttgarter Reeperbahn befindet sich im Leonhardsviertel. Noch bis vor ein paar Jahren standen hier die Frauen am Straßenrand und große Autos mit Kennzeichen der umliegenden Kleinstädte kreisten. Inzwischen sind die Nutten verschwunden. Die Stadt räumt auf. Sie klagt gegen Bordellbetreiber, was leider schwierig ist, weil das Bordellbetreiben seit 2002 legal ist. Dennoch zieht ins Leonhardsviertel auch normale Gastronomie ein. Da leuchten die Augen der Bürger_innen. Man gibt sich cool und weltoffen. Ein Stockwerk  über der Bar fickt ein junger Mann eine sehr junge Romni, der man den Pass weggenommen hat, damit sie nicht fliehen kann. Prostitution ist nicht Pretty Woman. Und zwar nie!

Im Rahmen vieler Maßnahmen gegen Armuts- und Zwangsprostitution hat die Stadt Stuttgart mit ihrem grünen Oberbürgermeister Fritz Kuhn neuerdings eine Kampagne aufgelegt, die sich an Freier richtet und sie in die Verantwortung nehmen will.

Bildschirmfoto 2016-04-29 um 18.46.31.jpgUnd jetzt schlagen die Wellen hoch. Man regt sich auf.

Aber nicht über die Tatsache, dass in unserem sauberen Stuttgart ausländische Frauen als Gefangene gehalten werden, damit Männer mit ihnen Sex haben können, nicht über den Frauenhass der Freier und die Brutalität, die sich nebenan ereignet, sondern über die Frage: Darf man das Wort „ficken“ öffentlich benutzen? O Gott, igitt, nein! Wie erkläre ich das meinen Kindern? Da bemüht man sich, den Kindern beizubringen, dass man nicht „ficken“ sagt, und nun steht es auf einem städtischen Plakat. „Abhängen!“ fordern Vertreterinnen und Vertreter von SPD, CDU, der Linken, Freien Wähler und der AfD.

Bildschirmfoto 2016-04-29 um 09.01.50.jpgJa, da ist wem etwas peinlich, das ist deutlich. Eher nicht den Kindern, aber offensichtlich den Eltern dieser Kinder. Beispielsweise dem Vater. Womöglich fragt das Kind in der Straßenbahn die Mutter: „Geht Papa auch ficken?“ Zum Glück sind Kinder so taktvoll, so etwas nicht zu fragen, weil sie die Beklemmung ihrer Eltern spüren. Jeder zweite Mann war schon mal im Bordell, also jeder zweite Vater, jeder zweite Ehemann, jeder zweite Freund, der Mann jeder zweiten Freundin. Derzeit verabreden sich ganze Abiturjahrgänge (der Jahrgang ist männlich) – heißt es – zu einem Bordellbesuch. (Und was machen die Abiturientinnen?) Da mag es manche Ehefrau geben, die so ein Plakat mit banger Frage sieht: Meiner auch? Lieber nicht dran denken!

Lieber nicht darüber sprechen. Darüber nicht. Lieber nicht die kommerzielle Menschenverachtung des Sexgeschäfts anprangern, an dem Männer gut verdienen, nicht jedoch die Frauen. Nicht gegen Bordellbetreiber wettern, die ihre Sexkaufhäuser als Wellnessoasen für den Mann anpreisen. Stattdessen sprechen wir erregt und erbost darüber, ob man das Wort „ficken“ auf Plakate drucken darf. Und wir regen uns darüber auf, dass das Wort „Nutten“ nicht respektvoll klingt. Womöglich sind die Plakate frauenverachtend, jawoll.

Doch bei dieser Kampagne hat die Stadt alles richtig gemacht. Sie hat all die Fehler vermieden, die man hätte machen können. Zum Beispiel die Fotos, die die PressBildschirmfoto 2016-04-29 um 09.01.21.jpge selbstverständlich benutzt, um das Aufreger-Thema voyeuristisch interessant zu machen – für die Männer. Keine Fotos. Nur Text. Kein beschönigender Text. Klartext. Literarisch. Denn gute Sprache ist nicht die Sprache, die brutale Worte vermeidet, sondern die Worte präzise einsetzt und damit etwas auslöst, ein Stutzen, ein Neu-Sehen, ein Nachdenken.

„Nutten sind Menschen.“ Sie sind nicht „auch“ Menschen, sondern Menschen.  Punkt. Kein Wort zu viel, das die Aussage lasch machen würde. Und ein entmenschlichendes (verachtendes) Wort für Prostituierte vorangestellt sagt: Sie sind keine Nutten, sie sind Menschen. Aus einer Phrase wird ein eindringlicher Satz.

„Kondome benutzt man, Frauen nicht.“ Der Satz spielt nicht nur darauf an, dass Männer zum Schutz der Frauen Kondome tragen sollen und nur sie das tun können. Er stellt vor allem jäh die Frauen hin als Personen, die es zu respektieren gilt. Nebenbei zerbröselt uns damit auch der Begriff „sexueller Missbrauch“, der ja impliziert, dass man einen richtigen oder mäßigen Gebrauch von Menschen machen könnte, und den Presse und Öffentlichkeit dem Wort „Vergewaltigung“ vorziehen. Warum wohl?

„Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar.“ Auch das ein literarischer Satz, nämlich die Verdichtung einer sehr komplexen Aussage. Er beginnt mit dem bekannten und reichlich albgenudelten Zitat aus unserer Verfassung. Dieser Satz hat für uns zwar eine immense Bedeutung, aber wir hören ihn so oft und sehen uns so oft beifällig dazu nicken, dass er an Eindringlichkeit verloren hat. Mittendrin das Stör-Wort, ein Wort, das nicht reinpasst in politische Korrektheit und uns aufschreckt. Gleichzeitig bekommt der zitierte Artikel unseres Grundgesetzes einen neuen Dreh. Er ruft die Frage auf: Ist denn der gekaufte und verkaufte Sex überhaupt mit Menschenwürde vereinbar? Behält eine Frau ihre Würde, wenn sie für 20 Euro „alles“ machen muss? Wo ist die Würde des Mannes, der seinen Hass auf Frauen an einer Hure auslebt, die nicht Nein sagen kann, weil sie sonst vom Zuhälter verprügelt wird? Müsste man das Sexgeschäft nicht eigentlich gänzlich verbieten?  Dieses „dreckige, verletzende Geschäft, von dem ein Haufen parasitärer Männer lebt“ (Zitiert nach Stuttgarter Zeitung)?

Beispielsweise so wie in Schweden, wo es den Männern seit 1998 verboten ist, sich Sex zu kaufen. Werden sie erwischt, drohen ihnen sechs Monate Haft. Zuhältern sowieso. Die Frauen werden nicht bestraft. Das unterbindet den Sexkauf zwar nicht, aber es  hat Schweden für Menschenhändler, also die Einfuhr minderjähriger Frauen, die zur Prostitution geprügelt werden, uninteressant gemacht.

Eines muss uns nämlich klar sein: In den Puff gehen Männer, die Frauen verachten. Doch, ist so, wenn man es genau bedenkt. Ich sehe aber bereits den Kommentator hyperventilieren, der uns hier erklärt, das sei nicht so, und er liebe Frauen. Auch diese Aussage ist Sexismus pur. Denn er fasst alle Frauen zu einer Gruppe zusammen, die über ihre sexuelle Funktion für den Mann definiert wird. Es wird sich kaum eine Frau finden lassen, die sagt: „Ich liebe die Männer.“ Man liebt eine Frau oder einen Mann, aber nicht alle.

Übrigens ein Argument gegen die Kampagne ist auch, dass man nicht glaube, dass man die Freier damit erreiche. Mag sein. Aber man erreicht ihr Umfeld und eine Gesellschaft, die den Bordellbesuch verharmlost, die Frauenverachtung, die darin steckt, ignoriert und vor dem Elend der im Sexgeschäft gefangenen Frauen die Augen verschließt. Sie ist ein klarer Standpunkt, der da sagt: Wir wollen, dass Menschen in unserer Stadt anständig mit Menschen umgehen.

 

 

Über Christine Lehmann

1958 in Genf geboren, lebt in Stuttgart und Wangen im Allgäu, veröffentlicht seit 1995 Krimis und andere Romane und bloggt.
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21 Antworten zu Mama, geht Papa auch in den Puff?

  1. Achim schreibt:

    Guter Text, die Stuttgarter Kampagne gefällt mir auch, weil sie wie beschrieben funktioniert: Wer den Text an sich ran lässt, kriegt Beklemmungen.

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  2. Johannes schreibt:

    Was ist mit Menschen, die auf „normalem“ Weg nie zu Sex kommen können? Behinderte, Menschen mit psychosomatischen Störungen, Beziehungsängsten etc? In den Puff gehen Männer, die Frauen verachten? Alle Ausländer sind kriminell? Es gibt Menschen zweiter Klasse?
    Die Intension des Textes verstehe ich wohl, selbst die Kampanie ist gut, mutig und richtig, aber die Schlüsse, die hier in diesem Text gezogen werden, sind – mit Verlaub – einfach nur allgemeines Männergebashe. Und auf den durchaus vielfältigen Tätigkeitsbereich Sexarbeit wird nur unter der Brille von Zwangsprostitution und der Erniedrigung der Frau eingegangen. Und als Lösungsvorschlag das Verbot präsentiert…
    Tut mir leid, aber die Richtung, die dieser Text einschlägt, finde ich äußert einseitig und journalistischen Maßstäben nicht gerecht werdend.

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    • Christine Lehmann schreibt:

      Und was ist mit behinderten Frauen? Wo sind die „Freudenhäuser“ (Puffs, Bordelle etc. ) für sie? Hier dürfen und können Männer etwas tun, was Frauen verwehrt ist. (Ja, ich weiß, es gibt im Ausland Orte, wo Frauen sich Sex bei jungen Männern kaufen, aber die Möglichkeiten für Frauen sind da doch sehr eingeschränkt verglichen mit der riesigen Sex-indusrtrie für Männer). Ich fürchte, in deiner Argumentation steckt noch ein anderer Denkfehler. Ich kenne etliche Behinderte (männliche), die eine Frau gefunden haben. Behinderung ist kein Hinderungsgrund für Liebe. (Auch umgekehrt für behinderte Frauen nicht) Man muss allerdings soziale Fähigkeiten dafür haben und sich auf einen anderen Menschen vertrauensvoll einlassen. (Und es gibt auch nicht-behinderte Menschen, die keine Partnerin finden). Auch ist das Wort „Sexarbeiterinnen“ ein arg beschönigendes Wort. Es mag für Prostituierte zutreffen, die selbstbestimmt und ohne Abhängigkeit von einem Zuhälter entscheiden können, mit wem sie Sex haben und unter welchen Bedingungen. Die meisten Frauen in Billig- und Flatrate-Puffs (und die sind pure Frauenverachtung und können nur von Männern besucht werden, die Frauen hassen) haben diese Chance nicht. Ihre „Arbeit“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie es einem fremden Menschen erlauben müssen, in ihren Körper einzudringen, oft, ohne dass sie die Chance haben, sich zu schützen oder darauf zu bestehen, dass er ein Kondom benutzt. Es gibt auch andere Arbeiten, die entwürdigend und gesundheitsschädlich sind, das ist mir bekannt, und das darf man auch nicht hinnehmen, aber das macht die Situation der Frauen in Bordellen nicht weniger schlimm. Übrigens interessant, dass du als Mann das tust, was die meisten Männer tun, die uns hier antworten: Du qualifizierst mich beruflich ab indem du erklärst, der Text werde journalistischen Maßstäben nicht gerecht. Ohne ein Urteil (eine Verurteilung) geht es offenbar halt doch nicht.

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    • Achim schreibt:

      Tut mir Leid, aber käuflichen Sex damit zu rechtfertigen, dass es Menschen gibt, die aufgrund von Beziehungsstörungen sonst keinen Sex haben können, ist ziemlich armselig.
      Und der Text ist kein allgemeines Männergebashe: Gebasht werden nur die Menschen, die sich zwar nicht sonderlich über Zwangsprostitution aufregen, aber darüber, dass „schmutzige“ Worte in der Kampagne verwendet werden. Bei denen sind nämlich die Maßstäbe verrutscht.

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  3. Katharina Hart schreibt:

    Guter Artikel. Ich kann mir aber irgendwie nicht vorstellen, dass jeder zweite Mann schon mal im Bordell war. Eher kann ich mir vorstellen, dass jeder zweite Mann süchtig nach Pornographie ist und fast jeder Mann damit schon Umgang hatte – auch in Schweden, wo Prostitution verboten ist. Und das ist ähnlich problematisch, meiner Meinung nach.
    Die Wortwahl bei dieser Kampagne finde ich übrigens in Ordnung, denn es muss ja provokativ sein, damit es einem auffällt.

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  4. Dieter Hoeppner schreibt:

    „Inzwischen sind die Nutten verschwunden. Die Stadt räumt auf.“ Eben nicht. Die Stadt schaut zu. Es lohnt sich dabei mal ein Blick auf die Eigentumsverhältnisse um Leonhardsviertel.

    Und Schweden: Auch da zeigt sich, dass „dumme Verbote“ wenig bringen.

    Trotz Verbots werde in Stockholm nach wie vor und pro Jahr 250.000 Mal Sex gekauft, rechnete man dort vor. „Dass es verboten ist, heißt nicht, dass es nicht passiert“, sagt Olga Persson, Generalsekretärin der Schwedischen Frauenorganisation SKR. „Selbst wenn die Freier erwischt werden: Sie zahlen ihre Strafe und machen weiter.“ (Quelle ZEIT)

    „Seit der Einführung des Sexkaufverbots melden sich Kunden in Internetportalen nicht mehr an und hinterlassen keine Telefonnumer mehr, um sich zu schützen. So berichtete eine Sexarbeiterin, dass sie Vergewaltigungen durch Kunden nicht anzeigen konnte, da sie einfach nicht wusste, wen sie hätte anzeigen sollen. Da Kund*innen anonym bleiben (wollen), können sie auch ungestraft Gewalt ausüben. Eine pauschale Kriminalisierung von Sexkauf führt also dazu, dass echte Vergewaltigungen ungestraft bleiben. Allgemein hat Gewalt zugenommen, da nur noch die sowieso schon gefährlichen Kunden weiterhin Sex kaufen, so auch ein Bericht aus Norwegen“. (Quelle: Menschenhandel heute)

    Und zur Kampagne: F. Kuhn war mal Werber (Märzakademie Stuttgart). Und wer nur einen Hammer hat, für den ist die Welt ein einziger Nagel. Die Intention war edel-grün, die Umsetzung von eher schlichten Wesensart. Es hilft nur konsequent die kriminellen, mafiösen Strukturen zu zerschlagen, die zu dieser besonders widerwärtigen Form der Prostitution führt. Dazu gehören aber richtig große politische Eier. Dazu gehört vor allem auch normalen Bars, Läden, Galerien usw., nicht nur Steine in den Weg zu legen und ihnen mehr Ordnungsamtsauflagen um die Ohren zu hauen, als den Puffs um Viertel. Da ziehen die Stadtdiener nämlich regelmäßig ihren Schwanz ein.

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    • Christine Lehmann schreibt:

      Ist mir schon klar, dass alles irgendwie scheitert, was Prostitution eindämmen möchte. Männer finden ihre teils extrem frauenverachtenden Wege. Übrigens ist Sache der Bundesregierungen, wirkungsvolle Gesetze gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution zu schaffen. Die Stadt muss ja mit dem Problem leben, dass Bordelle legalisiert wurden und aufmachen können, wo sie wollen. Die Stadt Stuttgart, allen voran die Bezirksvorsteherin für die Innenstadt, kämpft seit Jahren gegen Bordelle im Leonardsviertel, auf allen juristischen Ebeneren. Ich habe den Eindruck, dass Sie meinen, den normalen Läden würden bürokratische Steine in den Weg gelegt. Auch Stadtämter sind an Vorgaben gebunden. Mit Sicherheit wird in Stuttgart jede Möglichkeit ausgenutzt, es hier anderen Geschäften leichter zu machen als den Bordellen. Aber Stadtverwaltungen müssen sich halt an Gesetze halten. Wir alle sollten bei der Bundesregierung darauf dringen, dass die Gesetze für Sex-Geschäfte anders geregelt werden. Schwierig ist es allemal, denn Männer und Bordellbetreiber finden immer ihre Wege.

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  5. Sabeth schreibt:

    Herzlichen Dank für diesen wichtigen, guten Text, Christine Lehmann. 🙂 – Aber, ob wir damit leben müssen, dass Männer „anderen Sex haben“, wäre ein eigenes (ggf. an anderer Stelle) zu diskutierendes Thema. (Was bspw. mit „anders“ gemeint ist und warum wir, d.h. Frauen, damit leben müssen (sollen). … ) – Ich habe mir dazu auch so zwei, drei Gedanken gemacht, bei Interesse, siehe Nachfolgendes. http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2016/01/uber-den-unterschied-zwischen-sex-und-ficken-sowie-warum-sind-prostitution-und-pornographie-jeweils-formen-von-sexualisierter-gewalt

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  6. Vetch schreibt:

    Vielen, vielen DANK! Auch an die MacherInnen der Kampagne. Der Widerstand ist normal (die Norm) und nicht überraschend; dass so eine Kampagne überhaupt gestartet wurde, das finde ich erstaunlich und wirklich toll.

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  7. Luise Kakadu schreibt:

    Hat dies auf Missbrauch, Folgen und der Weg rebloggt und kommentierte:
    Ich finde diesen Blog beitrag sehr gelungen, weil er in vielem direkt auf den Punkt trifft.

    Nur – es sind nicht nur AUSLÄNDISCHE Frauen, die man zu Sexsklavinnen konditioniert. Das geht auch mit deutschen Mädchen.
    40 Jahre später, kann man dann darüber in Blogs wie meinem lesen….

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  8. Klaus Hartmann schreibt:

    Die Kampagne finde ich gut, die gewählten Worte jedoch nicht. Wenn sie schreiben, Nutten sind Menschen, könnten sie ebenso schreiben, Nigger sind Menschen, oder Kanaken. Sie könnten auch schreiben, deine Schlampe ist ein Mensch. Wollen wir das wirklich? Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel.

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    • Christine Lehmann schreibt:

      Lieber Klaus, stell dir vor, eine Kampagne würde sich gegen den Rassismus unter Jugendlichen richten. Dann würdest du nicht schreiben“Farbige sind Menschen“, sondern „Nigger/Kanaken etc. sind Menschen“. Es würde dir nämlich auffallen, dass die Jugendsprache keine politisch korrekten Worte verwendet, sondern eben verächtliche, gegen die du angehen willst. In so einem Fall nimmt man ein Wort, das man verächtlich findet, das eine Haltung offenbart, und setzt es gegen einen Satz, der unsere Haltung ausdrückt und Menschlichkeit einfordert. Und seien wir mal ehrlich „Nutte“ ist ja nun kein wirklich schlimmes Wort. Kein Mensch regt sich öffentlich darüber auf, dass bei uns im Radio immer wieder „Skandal im Stadtbezirk“ von Spider Murphy gespielt wird, ein Song, der die Zeile enthält „stehen die Nutten sich die Füße platt.“ Wir lachen vielmehr darüber. Eine Kampagne, in der es hieße „Prostituierte sind Menschen“ wäre albern, weil Fremdwörter immer eine Art vornehmer Distanzierung vom „Eigentlichen“ oder „Brutalen“ darstellen. Es geht hier nicht um „Heiligung der Mittel“, dazu ist das Ganze viel zu harmlos, viel zu unschädlich.

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  9. teggytiggs schreibt:

    …ein guter Text zu einer mutigen Kampagne!

    „Nebenbei zerbröselt uns damit auch der Begriff “sexueller Missbrauch”, der ja impliziert, dass man einen richtigen oder mäßigen Gebrauch von Menschen machen könnte, und den Presse und Öffentlichkeit dem Wort “Vergewaltigung” vorziehen…“ Ich sage aus diesem Grund, dass ich von meinem Vater vergewaltigt wurde. Das Wort „Missbrauch“ verharmlost, was eine der schlimmsten Taten sein sollte.

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  10. reginahamburg schreibt:

    Besten Dank für diesen Artikel. Ebenfalls nicht pauschlisierend, dennoch bemerkenswert: ich habe die meisten der Männer, die ich kenne gefragt, ob sie mal die Dienste einer Prostituierten gekauft haben. Alle verneinten. Dass einige lügen ist klar. Dass sie einer Frau, mir, gegenüber ihren Freierstatus nicht offen legen, verrät wohl einiges über die Einstellung, mit der sie Prostiuierte besuchen.

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  11. Ilanah schreibt:

    Hat dies auf Das Leben – bunt wie ein Regenbogen rebloggt und kommentierte:
    In den Puff gehen Männer, die Frauen verachten.
    Reichlich Stoff zum Nachdenken.
    Es lohnt sich, denke ich.

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  12. Ilanah schreibt:

    Danke für diesen Eintrag!!
    Ich hoffe, dass sehr viele es lesen und sich ihre Gedanken darüber machen.
    Zeit dafür ist es wirklich, wir leben schließlich im 21. Jahrhundert

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    • luiseS schreibt:

      ich kann meinem Vater und Großvater Arzt, Lehrer usw. nie wieder in Augenschauen…

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      • Christine Lehmann schreibt:

        Wir müssen damit leben, dass Männer anderen Sex haben als wir. Und damit umgehen. Ein Puffbesuch ist nicht kriminell, unsere Gesellschaft erlaubt ihn. Männer schlafen gern mal mit anderen Frauen. (Frauen sollen ja auch gern mal mit anderen Männern schlafen.) Also, entspann dich wieder ein bisschen, ja?

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      • Ilanah schreibt:

        kann ich verstehen.
        Nur weil viele es machen, ist es noch lang nicht in Ordnung.

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