Der Widerstand der Männersprache

Marbach3

Literaturarchiv Marbach

Im vergangenen Jahr hat sich der Verband deutscher Schriftsteller (VS) umbenannt in Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Dem ging eine Abstimmung in allen Landesverbänden voraus. (Ich bin die Vorsitzende des VS Baden-Württemberg.) Etwa 60 Prozent der befragten Mitglieder waren dafür. Danach wurde das Ergebnis vehement von einigen, hauptsächlich Männern, infrage gestellt: Verhunzung der Sprache durch Umständlichkeit. Ich habe bei solchen Diskussionen stets  geantwortet: „Dann nennen wir den Verband doch gleich Verband deutscher Schriftstellerinnen, da sind die Männer mit drin.“ Danach wurde regelmäßig nicht mehr weiter diskutiert. Denn ein solches Ergebnis schien den Diskutanten dann doch noch gefährlicher als das Gendern. Auch weibliche Autorinnen vertraten apodiktisch die Ansicht, dass das Gendern linguistischer Schwachsinn sei, eine Vergewaltigung der Sprache etc. Unsere Sprache sei geschlechtsneutral. Und selbstverständlich seien ja Schriftstellerinnen mitgemeint, wenn wir Schriftsteller sagen oder lesen. Es ist dreißig Jahre her, dass Luise Pusch  in Das Deutsche als Männersprache darlegte, welche Auswirkungen es auf unser Handeln hat, wenn wir davon ausgehen, dass  auch Frauen gemeint sind, wenn wir von „Autoren“, „Künstlern“ oder „Politikern“ reden: Frauen bleiben unsichtbar. Das gilt nicht nur für Berufsbezeichnungen, sondern auch für Wörter wie „wer“ oder „man“. Entlarvend etwa der Satz eines Politikers: „Wer Ja sagt zur Familie, muss auch Ja sagen zur Frau.“ Hinter dem „wer“ verbirgt sich mit Sicherheit keine Frau. Inzwischen hat die Neurologie gründlich nachgewiesen, dass Wörter unmittelbar Bilder hervorrufen und unser Denken und Handeln bestimmen.

Sprache schafft eine Fiktion von Wirklichkeit

In ihrem Buch Politisches Framing berichtet Elisabeth Wehling von vielen frappierenden Tests. Legt man Probanden etwa Texte vor, in denen Wörter wie „Alter“, „Vergesslichkeit“ und „Mühsal“ vorkommen, so schlurfen die Lesenden hinterher langsamer zum Fahrstuhl als Probanden, die denselben Text ohne diese Wort gelesen haben. Hört man sagen, dass jemand im fünften Stock den Vorhang zuzieht, wandern unsere Augen automatisch nach oben. So gut wie jedes Wort ruft in unserm Kopf Bilder hervor (genau damit arbeiten wir Schriftsteller*innen ja auch) und die damit verbundenen Gefühle und körperlichen Sensationen bis hin zu Handlungsimpulsen. Diese Assoziationsblase nennt die Linguistik Frames. Liest man das Wort „Hammer“, plant unser Hirn (unbewusst) automatisch den Bewegungsablauf. Menschen, die danach eine Nagel einschlagen sollen, machen das besser und schneller als Menschen, die vorher das Wort „Schraube“ gelesen haben. Unser Gehirn stutzt, wenn auf ein Wort eine Information folgt, die nicht zum Frame passt. Bei „Mechatroniker“ sehen wir keine Frau in einer Werkstatt vor uns, sondern einen Mann. Wenn die Information folgt: „Ihr gefiel der Beruf“, dann gibt es eine Riesenpause im Gehirn, in der wir alle unsere Bilder umstellen auf das Frame „Frau.“ Im Spanischen ist „der Schlüssel“ weiblich, „la llave“. Spanier*innen beschreiben ihn mit eher weiblichen Attributen als golden, klein, lieblich, glänzend, Deutsche dagegen mit eher männlichen als schwer, gezackt, gezähnt, hart, mit Bart. (Boroditsky, Schmidt und Phillips, 2002, siehe auch). Im Spanischen will „La Luna“ Mutter werden („Hijo de la Luna“ von Mecano), weshalb man das Lied auch nicht ins Deutsche übersetzen kann.

Ich glaube, wir brauchen uns nicht mehr ernsthaft darüber zu unterhalten, ob das Geschlecht eines Wortes Einfluss auf unsere Vorstellungswelt nimmt oder nicht, und auch nicht darüber, ob es gleichgültig ist, ob wir „Schriftsteller“ lesen oder hören oder „Schriftstellerinnen“ oder eben beides.

Im Deutschen haben auch noch das Neutrum und ein Kuriosum. Im Spanischen ist „la chica“ ein Mädchen und weiblich. Bei uns ist das Mädchen Neutrum (ebenso wie das Weib). Eine solche Varianz gibt es für Männer, in welchem Alter auch immer, nicht. („Das Mannsbild“ ist da eine Ausnahme.) Lektor*innen können ein Lied davon singen, dass ihre Autor*innen Sätze schreiben wie. „Das Mädchen kam ins Zimmer. Sie stellte eine Teekanne auf den Tisch.“ Es muss heißen: „Es stellte …“ Eine spanische Autorin kommentierte meinen Ärger über die Entweiblichung der jungen Frau mit den Worten, wie schön, damit sei das Mädchen noch völlig frei von Festlegungen auf ein Geschlecht und könne sich wie ein Junge verhalten. Eine nette Interpretation, die den Übergang vom freien Mädchen zur Frau um so härter macht. Verkleinerungen (das Mädchen ist eine Verkleinerung von „die Maid“, „die Magd“) für weibliche Menschen waren von Anfang an ein Ärgernis für den Feminismus der Achtziger Jahre in Deutschland. „Das Fräulein“ ist dann auch ziemlich schnell verschwunden. Aber das Mädchen bleibt. Und ich habe kein Wort für eine kindliche Frau, das weiblich ist. 

Viele Frauen nennen übrigens ihren Beruf in der männlichen Version. „Ich bin Schriftsteller“, klingt irgendwie größer, ernstzunehmender als „ich bin Schriftstellerin“. Da wäre ich nur ein Sonderfall der großen Weltliteraturgattung „Schriftsteller“. Wer dazugehören will, wer auch mal einen Preis bekommen möchte, der (sic!) schart sich unter den männlichen Sprachschirm und … wird übersehen. „Wer dazugehören will, die …“, das lässt unsere Grammatik nicht zu. In jedem Fall haben wir verloren.

Auch wir Frauen schreiben in einer Sprache, die uns männliche Perspektiven aufzwingt.

Brantenberg Töchter EgaliasSo ein einfaches Wort wie „Beifahrersitz“ erzeugt ein männliches Frame. Und das, obgleich meistens Frauen dort sitzen, also auf dem Beifahrerinnensitz. Nur weil es sein kann, dass auch einmal ein Mann dort sitzt, beschränken wir uns auf Männer. Seitdem vermehrt Männer in Kindertagesstätten arbeiten, verschwindet der Begriff „Erzieherinnen“ als Berufsbezeichnung für die Menschen, dort arbeiten, aus dem Nachrichten- und Pressesprachgebrauch und bald auch aus unserer Alltagssprache. (Merke, ist nur ein Mann unter hundert Frauen, muss er mitgenannt werden. Umgekehrt ist das nicht nötig.) Auf das Wörtchen „man“ folgt ein „er“. Ein alter feministischer Hut, aber, es ist immer noch so. Bei „wer“ denkt man zuerst an „er“, nicht an „sie“. Manche Sätze gehen gar nicht in meinen Büchern, stelle ich immer öfter fest. „Kennt ihr jemanden, der …“ fragte Lisa in die Frauenrunde. Geht gar nicht. (Duden: jemand: mittelhochdeutsch ieman, althochdeutsch ioman, eoman, aus: io, eo = immer und man = Mann, Mensch). Also: „Kennt ihr eine, die …“ Aber das fällt mir erst im zweiten Ansatz ein. Gerd Brantenberg hat 1977 in ihrem Roman „Die Töchter Egalias“ die gesamte Sprache in eine weibliche Frauschaftsprache (=Herrschaftssprache) umgekrempelt: „‚Schließlich sind es immer noch die Männer, die die Kinder bekommen‘, sage Direktorin Bram und blickte … auf ihren Sohn. Es war ihr anzusehen, dass sie gleich die Befrauschung verlor …“, beginnt der Roman. Leider ist der Protagonist ein armes Hascherl von Junge, der keinen Penishalter tragen, sich nicht mehr von Frauen angrabschen lassen will und in eine men’s lib-Bewegung gerät. Die norwegische Autorin hat also nicht, wie das schreibende Männer tun, ganz selbstverständlich den Frauenblick auf Männer verwendet, aus der Perspektive des Matriarchats geschrieben und damit Themen, Motive und Stoffe der Unterwerfung der Welt unter weibliche Deutungshoheit eingeführt. Das fehlt uns bis heute. Wir haben diese Deutungshoheit ja auch nicht. Wir haben nicht die Sprache, um entsprechende Frames zu erzeugen. Es stellt sich alles stachlig gegen uns. Unsere Bilder, Deutungen und Wirklichkeiten gehen nur nur trotz dieser Sprache und trotz der dominanten Bilder einer durchgängig männlichen Perspektive auf die Welt, in der wir uns bewegen, auch als Schriftstellerinnen.

In diesem Sinne heißt es künftig nicht mehr „der Literaturpreis“, sonder nur noch „die Literaturmedaille“ oder „die Krimiauszeichnung“, vielleicht schafft das endlich mal einen Frame, in dem zuerst Frauen gesehen werden.

Über Christine Lehmann

1958 in Genf geboren, lebt in Stuttgart und Wangen im Allgäu, veröffentlicht seit 1995 Krimis und andere Romane und bloggt.
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24 Antworten zu Der Widerstand der Männersprache

  1. Pingback: Patriarchatslogik | Suedelbien

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  3. Ria Klug schreibt:

    Es ist schon spannend zu sehen, mit wie viel Text und komischen Begründungen die Sprachreiniger (hier die männliche Form, logo) sich gegen das Gendern wehren. Wir wollten ihnen das Genderpäuschen aufzwingen und hätten kein Gefühl für Sprache …
    Von euch können wir lernen, wie um Pfründe und Hohheit gekämpft werden kann.
    Hey, ihr Sprachenfeger, Sprache ist immer noch ein Prozess, den wir willentlich und wissentlich beeinflussen können. Jederzeit und ungeniert. Wir müssen noch nicht mal zu eurer Besänftigung andeuten, dass wir unter Umständen auch für Männer bremsen. Probiert es halt aus. Die Chancen stehen nicht schlecht, wenn ihr auf die hanebüchenen Einwände, es sei doch alles geregelt und bedürfe des hässlichen Genderns nicht, endlich verzichtet.

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  5. Jan schreibt:

    Also die Aussage, dass in Pluralworten mit grammatikalischem (!) Maskulinum ein weiblicher Rahmen (um mal ein unnötiges englisches Wort weniger zu nutzen) gedanklich automatisch entsteht, kann ich nicht nachvollziehen. Würde man mich fragen: „Welcher Lehrer waren dir in deiner Schulzeit besonders sympathisch?“ käme ich nie auf die Idee, dass damit ausschließlich männliche Lehrer gemeint sind. Ich würde auch nicht primär an männliche denken. Und zwar einfach, weil es im Alltag Frauen und Männer gleichermaßen gab. Dass das bei „Mechatronikern“ (männlicher Rahmen) und „Grundschullehrern“ (weiblicher Rahmen) anders ist, liegt daran, dass das entsprechende Geschlecht dort in der Praxis zahlenmäßig dominiert. Das ist vielleicht nicht gut, bei Grundschullehrern sogar ziemlich sicher, weil Jungen sich mit Grundschullehrerinnen nicht gleichermaßen identifizieren können, aber dieses tatsächliche Problem löse ich doch nicht (hauptsächlich) durch eine künstliche, umständliche Sprachveränderung, die am besten noch politisch zwangsverordnet wird. Ich bin überzeugt, dass gedankliche Verknüpfungen sich mit veränderten Realitäten wandeln und nicht mit veränderten grammatikalischen Endungen.

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    • annekuhlmeyer schreibt:

      „Ich bin überzeugt, dass gedankliche Verknüpfungen sich mit veränderten Realitäten wandeln…“ Eben. Und der Punkt ist, dass die Sprache die weibliche Realität der Unsichtbarkeit wiedergibt. s. auch meinen Einwand zu Herrn Gayks Kommentar (weiter unten.)

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    • Christine Lehmann schreibt:

      Sprache wandelt sich so, wie die Sprechenden sie benutzen. Sie ist nich t statisch.

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    • Christine Lehmann schreibt:

      Ist ja auch nicht so, aber grammatisch ist die männliche Form in der weiblichen eben mit drin. (Lehrer)innen, (Lehrer)in. Und der Rest wäre dann Gewöhnung. Sprache lebt ja und entwickelt sich weiter. Im Übrigen dient das ja als Beispiel dafür, dass in der männlichen Form nicht automatische Frauen mitgedacht werden, genauswenig eben wie in der weiblichen Variante. Wobei es Frauen in der männlichen Form (Professoren) eben noch schwerer haben, weil das Wort im weiblichen Genus darin auch gar nicht erkennbar ist. Deshalb müssen wir jetzt einige Jahrzehnte lang gendern, bis sich alle daran gewöhnt haben, dass die weibliche Grundform allgemeiner Berufsbezeichnungen eigentlich die kürzere und umfassendere ist.

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  6. Magnus schreibt:

    „Sprache ist verräterisch – Sprache ist Denken.“ „Als Gott den Mann erschuf, übte sie nur.“

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  8. Birte Vogel schreibt:

    Ich bin immer wieder fassungslos, wie selbstverständlich viele Männer ihre Sicht der Dinge als die allgemeingültige ansehen, und wie viele Frauen sich ihnen wie bei einer Art sprachlichen Stockholm-Syndroms angeschlossen haben. Auf meinem Blog „thea“, in dem ich einen Blick auf Frauen in Sprache, Medien und Gesellschaft werfe, bekomme ich in den Kommentaren ewig lange Vorträge (auch von Frauen), warum mein Blog unlesbar sei, weil ich Autor_innen schreibe und nicht Autoren, warum es Quatsch sei, was ich da schreibe, weil meine Sicht die „falsche“ sei (weil ich mich dem Stockholm-Syndrom verweigere), dass Männer viel öfter Opfer seien als Frauen, dass das Gendern der Sprache „Vergewaltigung“ sei (was m. E. eine furchtbare Verhöhnung der Opfer von realen Vergewaltigungen ist) usw. Viele dieser Kommentare schalte ich schon gar nicht mehr frei, weil ich es leid bin.

    Mir fehlt es an einem grundlegenden Respekt vor Frauen (auch von Frauen), davor, dass unsere Sicht eine völlig berechtigte ist, die nicht grundlos entstanden ist. Dieser Respekt zeigt sich m. E. zuerst in der Sprache. Deshalb danke für diesen Artikel!

    Vielleicht interessiert Sie/Euch auch noch dieser (noch recht neue) Twitteraccount: bei @SposoInMare werden klischeehafte Sätze aus „Frauenmedien“ und Debatten (ein bisschen wie bei Brantenberg) einfach mal umgedreht, die Frauen gegen Männer ausgetauscht. Das offenbart überhaupt erst einmal den sexistischen Stumpf- und Irrsinn hinter so vielen Sätzen und Denkweisen.

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    • christinelehmann schreibt:

      Liebe Birte, ich schreibe seit Jahrzehnten gegendert auf all meinen Blogs, auch auf einem Blog, der sich mit Radfahren beschäftigt, und nie hat sich jemand beschwert, dass er/sie die Texte nicht lesen konnte. Den Leuten, die mir damit kommen, dass das Gendern eine „Vergewaltigung der deutschen Sprache“ sei, halte ich ziemlich unverblümt meinen Doktortitel in Literaturwissenschaft und die neurologischen Erkenntnisse entgegen. Das heißt, ich trete dann rhetorisch ziemlich männlich auf. 🙂

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  9. Wolfgang Russ schreibt:

    Was mir beim Lesen aufgefallen ist: „Lehrer“ oder „Schriftsteller“ erzeugt bei mir einen neutralen Frame – bei „Mechatroniker“ ist das anders, da taucht ein Mann in meinem Kopf auf. Ob das damit zusammenhängt dass es in meiner Kindheit/Jugend das Berufsbild „Mechatroniker“ noch nicht gab?

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    • christinelehmann schreibt:

      Einen neutralen Frame gibt es eigentlich gar nicht, denn damit sind die Bilder gemeint, die automatisch und meist völlig unbewusst entstehen, wenn man ein Wort liest oder hört. Irgendwas muss bei „Lehrer“ im Kopf entstehen und sei es das Bild vom Lehrer von Max und Moritz oder die Erinnerung an einen Lehrer, den man mal hatte. Ich kann mir jetzt schwer vorstellen, dass dabei das Bild einer weiblichen Person entsteht. Und bei Schriftsteller dürfte es ähnlich sein. Bei „Autor“ dürfte gar keine Chance bestehen, dass das Bild und Konzept einer weiblichen Autorin entsteht. Wir müssen uns auch klar machen, dass nur zwei Prozent von dem, was unser Gehirn macht, von uns bewusst erkannt und nachvollzogen wird.

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      • Wanja Gayk schreibt:

        Dass Sie ihrem Leser unterstellen, keinen neutralen Frame zu haben, halte ich gelinde gesagt für ziemlich anmaßend.
        Ich schließe mich dem Leser an: Bei „Mechatroniker“ denke ich an Männer, aber ich glaube, dass es damit zu tun hat, dass in einer Werkstatt am häufigsten solche zu finden sind. Bei „Geburtshelfer“, „Kindergärtner“ und „Blumenhändler“ denke ich zuerst an Frauen und ich bin doch erschrocken, wie Sie behaupten können bei „Schriftstellerinnen“ seien Männer inklusive. Als Schriftstellerin sollte man genug Sprachgefühl haben, um zu wissen, dass dem nicht so ist.
        Mein größtes Problem mit dem „gendern“ ist es, dass man versucht eine Sprache mit Nachdruck in eine Form zu zwingen, die sich nicht natürlich entwickelt hat. In der Regel sollte sich Sprache auch in schriftlicher Form an der (Achtung!) gesprochenen Form orientieren. Und dort ist in der Regel die kürzere Form, bzw. weniger sperrige Form bevorzugt. Dass das nun die eine ist, der der männlichen ähnlich sieht, ist halt so. Aber nun gut, manche müssen halt unbedingt ihre ideologischen Befindlichkeiten über alle stellen. Sie sagen, es habe sich noch niemand bei Ihnen über die Lesbarkeit Ihrer Texte wegen der gegenderten Schreibweise beschwert, ich mag das zwar nicht so wirklich glauben, aber hiermit bin ich dann wohl der Erste. Ich finde es sperrig und schlecht zu lesen, diese ständigen Workarounds lenken vom Fokus des Satzes ab. Ich finde, Sie konstruieren hier ein Sprachproblem und entsprechend konstruiert sehen dann auch die syntaktisch fragwürdigen Lösungen aus, sei es ein *, ein _ oder ein Binnen-i mitten im Wort, eine x-Form („Professx“) oder die redundante Nennung der männlichen und weiblichen Form, wo die Neutrale (dem männlichen Ähnliche) ausreicht. Letzteres ist nur nötig, wenn man in einer überwiegend männlichen oder weiblichen Gruppe gezielt das nicht dominierende Geschlecht mit ansprechen will, nicht jedoch, wenn die Zielgruppe mehr oder weniger gleich verteilt ist, dann ergibt sich alleine aus der Situation, dass beide gemeint ist, falls nicht, wird eine Gruppe explizit ausgenommen (z.B.: „Bezüglich der weiblichen Mitarbeiter in diesem Betrieb, haben wir eine Lösung für die Waschräume gefunden, die hoffentlich Ihren Ansprüchen genügen wird“).
        Ich sehe auch nicht eine Bevorzugung des männlichen Geschlechts bei dieser Ähnlichkeit der Formen, wie sie so oft erklärt wird. Es sind eben nicht nur die „Gewinner“, sondern auch die „Versager“. Es sind nicht nur die „Leistungsträger“, sondern auch die „Mörder“. Mit dieser Ähnlichkeit dürfte in Ihrer Gender-Sicht genügend negatives verbunden sein, dass Männer sich ebenso reihenweise beschweren könnten, dass sie hier einseitig in den Fokus gerückt werden. Tun aber die wenigsten. Warum? Sie nehmen es mit Fassung, sie sind in der Regel intelligent genug, um es nicht persönlich zu nehmen. Ich für meinen Teil kann dieses Affentheater um gegenderte Sprache ohnehin nicht wirklich ernst nehmen, denn die Sprache wird sich von ganz alleine in eine Richtung entwickeln, die der Mehrheit schmeckt. Im Moment scheint es mehr in Richtung Kurzdeutsch zu gehen. In diesem Sinne: Tschö.

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      • annekuhlmeyer schreibt:

        Lieber Herr Gayk,
        dieser Text soll lediglich Aufmerksamkeit für das Phänomen erzeugen, dass Weiblichkeit in der Sprache unterrepräsentiert ist. Neutralität von Sprache halte ich für unmöglich, beschreibt sie doch immer irgendetwas oder irgendwen. Begriffe wären nutzlos, täten sie das nicht. Beim Begriff „Geburtshelfer“ mag Ihnen heute zuerst eine Frau in den Sinn kommen. Das ist erfreulich und ausgesprochen modern, denn in einem Lehrbuch der Geburtshilfe von 1937 (durch dessen Lektüre ich einst den Geburtsvorgang verstand) beginnt die Einleitung mit „Meine Herren“. Ich habe es trotzdem gelesen. Immer ein bisschen mit dem Gefühl, dass über meine Physiologie und damit über mich als Objekt geschrieben wird. Ich erspare mir an der Stelle die Geschichte der Geburtshilfe, die den Frauen aus den Händen genommen wurde.
        Inzwischen bin ich ja Schriftsteller. Also mitgemeint bei „Schriftsteller“. Außerdem bin ich noch Arzt und Psychotherapeut, mitgemeint gewissermaßen, gleichgültig wie das tatsächliche Verteilungsverhältnis in den Berufsgruppen aussieht. Ich finde das einigermaßen unnatürlich. Nähme man (ich habe kein anderes Wort für „man“ und da haben wir den Salat) an, dass die männliche Form die „natürliche“ sei, wird ein männlicher Herrschaftsanspruch als „natürlich“ behauptet. Und ich bin infolgedessen „unnatürlich“, denn komme ich als Wort nicht vor, komme ich überhaupt nicht vor. Das finde ich, ehrlich gesagt, blöd.
        Ich hab nix gegen Männer, gar nicht. Ich finde Männer toll. Ich hab einen Zwillingsbruder, einen Liebsten und einen Vater. Ich habe großartige männliche Vorbilder. Ich möchte, dass sie die Welt aus meiner Sicht sehen, ein bisschen aus meinen Augen gucken können. Ich möchte erzählen, wie Frauen leben und denken, wie sie fühlen und sind. Dazu brauche ich eine Sprache, in der ich vorkomme, und zwar in allen Facetten. Es geht nicht um Kleinlichkeit in Formulierungen, es geht um existenzielle Dinge. Und deswegen ist es notwendig, darauf aufmerksam zu machen, dass wir, Frauen wie Männer, solch eine Sprache nicht, noch nicht, haben.
        Beste Grüße
        Anne Kuhlmeyer

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      • Christine Lehmann schreibt:

        Es gibt allerdings reichlich neurologische Untersuchungen zu dem Thema. So kann man etwa messen, dass bei einer männlichen Berufsbezeichnung das Gehirn stutzt, wenn darauf ein weiblicher Name folgt. Wird die Erwartung bestätigt, dass es sich bei der Bezeichnung „Arzt“ um einen Mann handelt, dann versteht das Gehirn den Satz schneller. Ich mache leider oft die Erfahrung, dass Männer das Gendern für völlig überflüssig halten. Klar, denn Männer müssen sich ja auch nicht unterrepräsentiert in unserer Sprache fühlen, denn die Sprache ist ja auf Männer und ihren Blick auf die Welt zugeschnitten. Das gilt natürlich für negative oder positive Wörter, für Mörder und Gewinner. Krimis beschäftigen sich ebenfalls mit Verbrechen und den dunklen Seiten der Männer (und Frauen), die Sprache aber passt eben besser zu einer männlichen Sicht auf eine von handelnden Männern geprägte Welt als auf eine weibliche Sicht auf eine von weiblichem Handeln geprägte Welt, obwohl Frauen ja weltweit die Hälfte aller handelnden Personen ausmachen.

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      • Wanja Gayk schreibt:

        Sehr geehrte Frau Kulhmeyer,
        wenn Sie schreiben:
        „Nähme man (ich habe kein anderes Wort für „man“ und da haben wir den Salat) an, dass die männliche Form die „natürliche“ sei, wird ein männlicher Herrschaftsanspruch als „natürlich“ behauptet. Und ich bin infolgedessen „unnatürlich“, denn komme ich als Wort nicht vor, komme ich überhaupt nicht vor.“
        Dann bedaure ich natürlich, dass Sie „man“ und „Mann“ in einen Topf werfen. Phonetisch ist es ähnlich, sicher, aber nicht vom Sinn. Ein Rathaus und ein Radhaus sind nicht das Selbe, auch wenn es ähnlich klingt. Da haben wir schon den Salat.
        Ich bedaure auch, dass Sie sich übergangen fühlen, wenn Sie glauben, dass Sie die männliche Form hören, aber das zeigt eigentlich nur Ihre Ignoranz gegenüber der Grammatik, denn Sie hören in der Regel nicht die männliche, sondern die generische Form. Kingt gleich, ist es aber nicht, denn, wie ich bereits schrieb, und Sie selbst liefern dafür ein vortreffliches Beispiel: Wenn in der man in einer Menge von Menschen explizit den männlichen Teil adressieren will, wird dieser wie z.B. Ihrem Lehrbuch der Geburtshilfe mit „Meine Herren“ explizit adressiert, oder mit anderen sprachlichen Mitteln, wie ich schon dargelegt habe (die weiblichen […], die männlichen […] ). Was die „natürliche Form“ angeht, so leiten Sie die aus der patriachisch geprägten Vergangenheit ab, ich denke durchaus, dass dort eine Verbindung besteht, aber die Sprache ist einem natürlichen Wandel unterworfen, der mit der Gesellschaft einher (nicht mit „ein Mann“ zu verwechseln) geht. Menschen tendieren zur kürzeren Form für häufige Ausdrücke, damals adressierte man Männer, die allgemeine Form entwickelte sich entsprechend. Aber ebenso, wie ein Wort, wie „geil“ nicht mehr nur „sexuell erregt“ heißt, „super“ nicht mehr allgemein mit „über“ übersetzt wird, „toll“ mitnichten mehr vornehmlich für „verrückt“ steht, steht die generische Form nicht mehr vornehmlich für Männer. Ich finde, Sie begeben sich hier zu ihrem eigenen emotionellen Nachteil in eine Opferrolle, die Ihnen nicht würdig ist. Und aus dieser Rolle wird Lobby gemacht, um die Sprache mit Nachdruck, meiner bescheidenen Meinung nach unnnötig, zu verkomplizieren. Das muss wirklich nicht sein. Die Gesellschaft muss Gleichberechtigung leben (in beide Richtungen), nicht die Sprache verdrehen. Die Sprache folgt von selbst und eben auch ihre Wahrnehmung. Wenn Sie mit ihrer Wahrnehmung der Sprache noch in den 50er Jahren hängen, tut mir das ehrlich leid, aber die Welt ist über ein halbes Jahrhundert weiter.
        Ich habe zur Sptrche und Empfindsamkeit eine nette Anekdote: Es war irgendwann in den frühen 90ern, als ich aus feministischen Kreisen (habe ich in meiner Familie) die Forderung vernahm, dass Berufsbezeichnungen, wie „Friseurin“ moralisch verwerflich seien, denn das weibliche „-in“ wäre ein Anhängsel der männlichen Form und Frauen seien keine Anhängsel des Mannes, das wäre diskriminierend, man sollte stattdessen Begriffe wie „Friseuse“ nutzen. Es dauerte nur wenige Jahre und unzählige Manta-Friseusen-Witze später hatte dieser Ausdruck eine negative Konnotation bekommen und plötzlich hieß es aus eben jenen feministischen Kreisen, der Begriff „Friseuse“ sei abfällig, „Friseurin“ klänge professioneller und weniger abwertend und solle demzufolge bevorzugt werden. Sie können sich denken, dass mich das nur in der Meinung bestärkt hat, dass Empfindsamkeiten gewisser Mimosen nicht als Anlass genommen werden sollten eine Sprache mit dem Holzhammer zu renovieren und dass sich derart an den Haaren [sic] herbeigezogenen Begründungen gegen sprachliche „Diskriminierung“ nicht ernst zu nehmen sind. Ebenso dieses mal.

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      • Christine Lehmann schreibt:

        Lieber Herr Gayk, Sie werden ja sehr direkt. Und Sie wissen genau, was der Autorin nicht würdig ist. (Zitat: „Sie begeben sich hier zu ihrem eigenen emotionellen Nachteil in eine Opferrolle, die Ihnen nicht würdig ist.“ übrigens müsste hier Genitiv stehen „Ihrer nicht würdig.“ ) Das sind rhetorische Formeln der herablassenden Erziehung. Das finden wir Herland-Frauen nicht akzeptabel. Übrigens ist es ein Mythos, dass Sprecher_innen der deutschen Sprache tatsächlich immer die kürzeste Form bevorzugen. Ganz im Gegenteil, Sprache ist unglaublich redundant. Wir wiederholen uns, gerade, wenn wir sprechen, ständig, sagen vieles drei bis vier Mal. Und zwar genau das, was wir betonen wollen, was wir für wichtig halten. Würden Sie es für wichtig halten, dass Frauen als Teil der Gesellschaft (sie machen über die Hälfte aus) angesprochen und sich gemeint fühlen sollen, dann würde es Ihnen überhaupt nicht schwer fallen, das auch sprachlich zu betonen. Uns fällt es jedenfalls nicht sonderlich schwer. Ich beobachte schon mit Verblüffung, wie sehr sich Männer ins Zeug legen, nachzuweisen, dass ihre (der Männer) Gebrauch und Deutung der Sprache die gültige sei, so als ob es nicht auch so etwa gäbe wie zuhören und sich einfühlen, sich in die Position der Gegnerin versetzen, anerkennen, dass andere Perspektiven auf die Welt andere Erkenntnisse erbringen. Ich kann nur zu gut nachvollziehen, dass Sie sich als Mann verunsichert fühlen und dagegen wehren, wenn Sie Texte lesen, die Ihre Perspektive auf die Sprache und die Welt infrage stellen. Das ist eine ziemlich typische Reaktion der Männerwelt auf feministische Denkansätze und Analysen, die mir schon auch den achtziger und neunziger Jahren vertraut ist. Muss das eigentlich immer noch so laufen? Diskutieren Sie doch mit uns mit, ohne rhetorische Figuren wie „Mimose“ und „Holzhammer“ oder „Ihrer nicht würdig“ zu gebrauchen, die ja, das werden Sie einräumen, der Herabwürdigung unserer Äußerungen dienen sollen. Wir wollen hier aber respektvoll behandelt und angesprochen werden.

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      • Wanja Gayk schreibt:

        Sehr geehrte Frau Lehmann,
        Sie schreiben: „Das sind rhetorische Formeln der herablassenden Erziehung. Das finden wir Herland-Frauen nicht akzeptabel.“ Nein, das ist nich herablassenden gemeint, was sollte diese Unterstellung? Wenn ich sage, dass sich diese Dame ohne Not in eine unwürdige Opfersituation begibt, dann ist das so zu verstehen, dass ich der Meinung bin, dass sie sich durchaus den Stolz und die Würde leisten sollte, sich erhobenen Hauptes in dieser Menge einzubeziehen, statt sich selbst ohne Not auszuschließen. Danke für den Hinweis auf meinen Fehler, davon existieren in dem Text übrigens weitere, die ich mangels Korrekturfunktion nicht verbessern konnte, aber warum lenken Sie vom Thema ab? Sie schreiben weiterhin: „Ich beobachte schon mit Verblüffung, wie sehr sich Männer ins Zeug legen, nachzuweisen, dass ihre (der Männer) Gebrauch und Deutung der Sprache die gültige sei“. Das ist nun wirklich ein tiefer Tritt unter die Gürtellinie, denn einerseits behaupten Sie damit, dass es eine exklusiv männliche Sicht („unsere“) wäre, was es nicht ist, denn es gibt auch unter Frauen genügend, die meine Ansicht teilen, andererseits disqualifizieren Sie meine Argumente als Versuch Ihnen eine Deutungshoheit aufzuzwingen, netter rhetorischer Trick, zieht aber nicht. Die Deutung der Form „Mitarbeiter der Firma“ als neutrales Plural ist nun wirklich deutlich älter als meine Meinungsäußerung und ist auch Konsens in der Literatur, länger als ich lebe. Tun Sie nicht so, als würde ich eine Neue Deutung einführen wollen. Vielmehr sehe ich eine unglaubliche Energie zu versuchen die Gramatik gewaltsam in eine Richtung zu zwängen, die Ihrem Empfinden entspricht, welches sich nun ausdrücklich nicht mit der Mehrheit der Literatur und dem allgemeinen mündlichen Sprachgebrauch deckt. Ihre Form „Sprecher_innen“ ist ebenfalls nicht das, was man unter klassischer deutscher Grammatik versteht, genauer gesagt ist der Unterstrich laut Duden ein „anstelle eines Leerschritts einzusetzendes Zeichen in Form eines tief liegenden waagerechten Strichs“. Aus der Sicht, und das ist nicht meine, will diese Form so gar nicht die in Syntax der deutschen Sprache passen. Da ist eigentlich klar, wer hier wem irgendetwas aufzwingen will. Ihr Grammatikfehler mit dem Unterstrich hat Methode, im Gegensatz zu dem, was Sie an meinem (nicht benutzten) Genitiv auszusetzen hatten. Ihre Korrektur wirkt in dem Kontext schon reichlich absurd, aber er war ja auch wahrscheinlich lediglich eine billige Taktik um meinen Beitrag zu disqualifizieren.
        Sehen Sie, ich kann mit dem Vorwurf leben bzgl. der Sprache konservativ zu sein, aber bitte stellen Sie mich nicht in die Ecke einer Person, die Frauen sprachlich diskriminieren würde, weil ich Ihre von der Norm abweichende Sicht der Grammatik nicht teile. Viel mehr trete ich dafür ein, und das hätten Sie in meinem Beitrag ohne weiteres Erkennen können, dass sich Frauen eben nicht bewusst ausschließen (und sich damit in eine Opferrolle stellen und sich damit einen Teil ihrer Würde weg werfen, auf die sie ein verdammtes Recht haben). Bei dieser grammatikalischen Form gehört die Frau immer, gleichberechtigt dazu und das sollte sie sich nicht nehmen lassen, um keinen Preis. Sie fördern genau das Gegenteil, das finde ich falsch und vor allem schlecht begründet. Sicher haben Sie Recht damit, dass die Sprache unglaublich redundant ist, aber eben nicht in jedem Bereich. Ich versuche mich hier besonders präzise auszudrücken, deswegen brauche ich mehr Worte. An anderer Gelegenheit, und das tun Sie bestimmt ebenso, wie jeder andere, sind Sie kürzer angebunden; und ich unterstelle Ihnen, dass Sie privat in der normalen, mündlichen Sprache nicht halb so oft die Formulierung: „Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen“ benutzen, wie Sie es auf Ihrem Blog tun. Ich glaube, dass Sie im Auto eher dazu neigen zu sagen: „Diese Vollidioten!“, wenn ein paar Leute durch ein dummes Maneuver fast einen schweren Unfall verursachen, ohne dass Sie das Geschlecht kennen, als dass Sie durchs Auto fluchen: „Diese Vollidioten/Vollidiotinnen!“. Trotzdem zwingen Sie Ihre Sprache in der Schriftform in genau diese Richtung. Ich behaupte, das ist ignorant, inkonsequent und sinnfrei. Tun SIe doch nicht so, als wüssten Sie nicht, wie diese Form funktioniert. Tun Sie doch nicht so, als wäre es eine exklusive Männersicht, mit Verlaub, das ist doch verlogen. Gut, Sie bedienen hier auf dem Blog ein bestimmtes Klientel, welches sich so besser fühlt, das sei Ihnen gegönnt, aber, und damit sind wir wieder bei meinem ursprünglichen Beitrag, tun Sie nicht so, als wenn Leute, die Ihre sonderbare Grammatik nicht für nötig halten, deswegen Frauen diskriminieren würden, sie damit übergehen würden oder sich nicht an Ihren Grammatik-Stunts stören würden. Ich, das sage ich ganz ehrlich, finde diese Formen hässlich und schlecht zu lesen, grammatikalisch überflüssig und einige Formen (Unterstrich und Binnen-i) sind sogar grammatikalisch falsch (und Letzteres ist nicht meine Deutung). Meine Haltung zur Grammatik hat exakt nichts mit meiner Haltung zur Frau zu tun (oder der anderer, die ebenso ticken, wie ich) und wer unterstellt, dass es anders wäre, verhält sich schlicht anmaßend und es ist schon ein perfider Kunstgriff des Feminismus diesen Eindruck zu erwecken. Ich finde gar, es erweist der Gleichberechtigung einen Bärendienst. Es sieht nicht gut aus, wirkt von oben herab, steht für explizite Spaltung statt für stillschweigende Inklusion und suggeriert, dass, wer nicht auf diesen Zug aufspringt, Frauen ausschließt. Wie man das gut finden kann, entzieht sich meiner Erkenntnis.

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      • Christine Lehmann schreibt:

        Wir versuchen ja gerade zu sagen, dass unsere Sprache, geprägt von vorwiegend von Männern geschriebener Literatur und geprägt durch die Dominanz von Männern in der Gesellschaft, eine Sprache ist, die mit männlichem Blick und männlichem Fokus auf die Welt, die Verhältnisse und sich selbst definiert. Sprache ist wandelbar, sie passt sich neuen Bedürfnissen an. Gerade passt sie sich den Bedürfnissen von Frauen an, ebenfalls darin explizit vorzukommen, damit sie bei Beförderungen oder Preisvergaben oder beruflichen Leistungen nicht ständig übersehen werden. Denn das werden sie. Natürlich gibt es Frauen, die Ihnen gerne Recht geben, es gibt immer Frauen, die sich wohlfühlen im Patriarchat, was ihnen unbenommen bleibt. Frauen helfen auch in der Gesellschaft und in der Politik den Männern, männliche Interessen zu bewahren, indem sie Mädchen entsprechend erziehen oder sich in verächtlichen Äußerungen gegen andere Frauen ergehen, die mehr gesellschaftliche Rollen für sich fordern als die, die das Patriarchat ihnen zu gesteht. Eigentlich müsste Ihnen doch einleuchten, dass Sie als Mann vielleicht nicht so ganz der richtige sind, den weiblichen Blick und weibliche Bedürfnisse nach Wahrnehmung zu negieren und für eine unsinnige Forderung zu halten. Es könnte Ihnen schon auch mal kurz der Gedanke kommen, dass Sie da nicht ganz zuständig sind. Sie verteidigen einen Status Quo, den wir gerade nicht mehr wollen. Das ist Ihre Rolle. Unsre Rolle ist es, den Status Quo infrage zu stellen und Vorschläge zu machen, wie es besser gehen könnte, und zwar für uns Frauen, was, wie erste Studien zeigen, auch für Männer ein Vorteil ist. Sie negieren die feministische Forschung von knapp fünfzig Jahren zur Rolle der Sprache bei der Sichtbarkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft. Das Ganze ist eigentlich nicht mehr Meinungssache, die Benachteiligung nicht männlicher Personen in Sprache und Gesellschaft ist ein Fakt. Und Sie verwenden urteilende rhetorische Figuren, um unsere Beiträge als „unklug“ zu klassifizieren. Ich hoffe, Sie sind sprachempfindlich genug, um das zu merken. Sie reden von „Bärendienst an der Gleichberechtigung“ (das ist ein Urteil über die Autorin, das sie als dumm herabwürdigt.) Sie reden von „perfider Kunstgriff“ (ebenfalls ein abqualifizierendes Urteil über die Autorin, das sie in die Ecke des Unredlichen stellt), Sie bezeichnen uns als „anmaßend“, „verlogen“ (auch das sind abwertende Begriffe). Diesen diskriminierenden Diskussionsstil wollen wir hier nicht.

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      • Wanja Gayk schreibt:

        Wenn Sie diesem Diksussionsstil hier nicht wollen, warum unterstellen Sie dann eine Diskriminierung und einen Bias, den ich (und der Leser im früheren Beitrag) nicht so empfinden? Natürlich ist das anmaßend, was sonst? Und warum disqualifizieren Sie mich, wegen meines Geschlechts? Sie sagen: „dass Sie als Mann vielleicht nicht so ganz der richtige sind, den weiblichen Blick und weibliche Bedürfnisse nach Wahrnehmung zu negieren und für eine unsinnige Forderung zu halten.“ Wieder so eine Unterstellung, dass ich aus Männersicht versuchen würde weibliche Bedürfnisse zu negieren. Das mache ich ausdrücklich nicht, was Sie aber beharrlich zu ignorieren scheinen. Ich argumentiere in erster Linie technisch: Diese grammatikalische Form inkludiert Frauen, Punkt. Sie mögen sich dabei „gefühlsmäßig“ nicht inkludiert _fühlen_, aber nur, weil Sie sich offensichtlich weigern die grammatikalische Funktion als solche anzuerkennen (zumindest öffenmtlich). Sie halten sich an der Form fest (die nicht vorhandene weibliche Endung), nicht an der Semantik. Und dann, das finde ich erneut nicht fair argumentiert, fangen Sie an, Frauen, die meine Sicht teilen in die gleiche Ecke derer zu stellen, die “ sich in verächtlichen Äußerungen gegen andere Frauen ergehen“, sich dem Patriarchat beugen. Kurz: Wer nicht Ihre Sicht teilt, ist eine Verräterin. Wie bitte? Entschuldigung, aber bitte werfen Sie mir nicht vor unsachlich zu argumentieren, wenn Sie sowas tun.
        Sie sagen: „Sie verteidigen einen Status Quo, den wir gerade nicht mehr wollen. Das ist Ihre Rolle.“ Nein, das ist nicht meine Rolle, ich verteidige keinen Status Quo, ich sagen Ihnen: Sie schaffen mit ihrer Ignoranz der Grammatischen Funktion dieser Form einen Status Quo, den Sie dann selbst abschaffen wollen. Sie sagen: „Sprache ist wandelbar, sie passt sich neuen Bedürfnissen an.“ Richtig, ich behaupte, sie ändert sich dahingegend, dass die Frau, wenn sie in der Formulierung „Die Mitarbeiter der Firma“ adressiert wird, zunehmend in der Wahnehmung inkludiert wird, in den Köpfen der Männer meines Schlages offensichtlich eher, als in Ihren (das große i ist hier volle Absicht). und ich behaupte, das geschieht um so mehr, wie Gleichberechtigung gelebt wird, um so mehr das traditionelle „Frau und Kind am Herd, Mann auf Arbeit“ Modell aufgebrochen wird (und dazu dient ganztags-Kinderbetreuung und Elternzeit für beide Geschlechter mehr als jede Spracheregelung). Und ich behaupte, dass die ständige Explizite Trennung der Geschlechter „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ genau dem zuwider läuft, weil man, sollte man den Teil „Mitarbeiterinnen“ der Kürze wegen nicht dazu sagen, wegen der ständigen Doppelnennung den Eindruck des Auslassens verstärken. Wenn ich das einen Bärendienst nenne, stellen Sie sich als persönlich angegriffen dar, statt sachlich dagegen zu halten. Also kein Argument, sondern der Sprung in die Opferrolle und auf den bösen Mann zeigen. Mehr ist nicht drin?
        Sie sagen: „Gerade passt sie sich den Bedürfnissen von Frauen an“. Ich behaupte: Nein, sie passt sich nicht an, Sie wollen sie in diese Richtung zwingen. Mündlich und umgangssprachlich redet so gut wie niemand so, in Romanen (auch von Frauen) wird diese Form wie die Pest gemieden, weil sie den Lesefluss stört. Wie kann man da behaupten, die Sprache passe sich in diese Richtung an?
        Sie sagen: „,.. darin explizit vorzukommen, damit sie bei Beförderungen oder Preisvergaben oder beruflichen Leistungen nicht ständig übersehen werden.“ und das ist, mit Verlaub, ein sehr an den Haaren herbei gezogener Zusammenhang. An dieser Stelle sei das Mittel der anonymisierten Bewerbungen genannt (übrigens in Versuchen ebenso gescheitert – irgendwann schaut man den Menschen nämlich vor den Kopf). Es gibt auch diverse Untersuchungen zur Gender-Pay-Gap. Sehr schön zusammen gefasst wird das in folgendem Video von Maddox (der durch seine offensive Art manchen unangenehm auffällt, aber dennoch sehenswert ist): https://www.youtube.com/watch?v=BDj_bN0L8XM
        Sie schreiben: „Sie reden von “Bärendienst an der Gleichberechtigung” (das ist ein Urteil über die Autorin, das sie als dumm herabwürdigt.)“. Nein, ist es nicht, es sei denn, man nimmt einen andere Bewertung der Auswirkungen der eigenen Aktion als persönlichen Beleidigung. Trennen Sie bitte Kritik an der Sache von Beleidigungen ihrer Person. Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie gar nicht mehr in der Sache argumentieren und ich ständig versuche am Thema zu bleiben? Nun, mir schon. Argument „mündliche Sprache“: Ignoriert (mehrfach mittlerweile), Argument „grammatikalisch ausreichend“: Ignoriert. Argument „Präzisierung durch Adjektiv existiert bereits“: Ignoriert. Argument: „Bedeutung (inklusion) wandelt sich mit der Sprache“: Ignoriert. Stattdessen: Ad hominem an Frauen, die diese Sicht nicht teilen, mich herab qualifizieren über die Semantik einer grammatikalischen Form zu urteilen, weil ich ein Mann sei und der Vorwurf, ich würde einen Status Quo verteidigen (beinhaltet übrigens den stillen Vorwurf ich würde meinen eigenen Vorteil als Mann suchen).
        Sie haben in der Sache bisher nur ein Argument gebracht: Etwas mehr Redundanz fällt nicht ins Gewicht, der Rest war der schlichte Versuch meine Meinungsäußerung abzuwerten, durch Kritik an der Form, durch den Vorwurf der Verteidigung eines unterstellten männlichen Vorteils. Bravo. Glauben sie ernsthaft, eine Diskussion hat auf dem Niveau noch Sinn? Ich nicht.

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      • Christine Lehmann schreibt:

        Sie kriegen das letzte Wort. Das gefällt Ihnen sicher, mein Herr.

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  10. Beate schreibt:

    Toller Text, spricht mir aus der Seele!

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