Treffpunkt Morgengrauen? Abgesagt!

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Von Simone Buchholz

Neulich kam mir zu Ohren, dass ein paar (sehr) etablierte Kritiker Kriminalromane von Frauen (in dem Fall speziell meine) für „nicht satisfaktionsfähig“ halten. Jetzt gibt es natürlich keinen Grund, sich darüber aufzuregen, dass jemand mein Zeug nicht mag, das können ja alle halten wie die Dachdecker, ich mag mein Zeug oft auch nicht. Es gibt aber einen ganzen Sack voll guter Gründe, sich über den Begriff „nicht satisfaktionsfähig“ aufzuregen, gerade wenn ihn ein Mann in einer einflussreichen Position gegenüber einer Frau benutzt.

Lassen wir uns das doch nochmal auf der Zunge zergehen.

Typ, über fünfzig, steht da und denkt zwei Sekunden über Frau, gar nicht mal viel jünger, nach. Winkt dann ab und sagt: „Nicht satisfaktionsfähig.“

Typ, über fünfzig, hält sich also für jemanden, der sich üblicherweise im Morgengrauen duelliert. Typ, über fünfzig, denkt offenbar, er befindet sich im 19. Jahrhundert. Typ, über fünfzig, sieht Buch von Frau als Beleidigung an, weil: Duelle folgen auf Ehrenstreitigkeiten. Typ, über fünfzig, empfindet sich aber als Adel, oder zumindest als Hochbürgertum. Im Gegensatz zu Frau, muss ja so, wenn sie als nicht satisfaktionsfähig angesehen wird. Frau befindet sich demzufolge in gesellschaftlich äußerst niedrigem Stand, Bauernmagd, Marketenderin, Puffmutter, whatever, auf jeden Fall ist sie die Kugel nicht wert.

Meine Güte, wieviel reaktionäre Scheiße da rausquillt.

Was diese Typen, die früher bestimmt alle mal schicke, elegante Umstürzler waren, in ihren Machtpositionen inzwischen vermutlich längst vergessen haben: Schreiben ist immer ein Aufstand, und der Aufstand ist in vollem Gange.

 

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Position von Uta Maria Heim

Uta-Maria Heim1Auszug aus: Toskanisches Blut

Geschichten erzählen von dem, wie wir die Welt sehen, so geht das auch bei Herland. (Der Kriminalroman von Uta Maria Heim erscheint voraussichtlich im Herbst 2019 bei Gmeiner.) 

Salvatore saß mit Diego in Simones Küche. Er stand auf und holte einen mit Büchern bedruckten Papphocker. Reinhild setzte sich über Eck. „Ich möchte in Florenz was Sinnvolles machen. Da ist doch morgen diese Demo …“

„Keine Demonstration, nur eine Kundgebung.“

„… wegen dem Mädchenmord in Apulien.“

Salvatore nickte. „Angelina. Hast du das mitbekommen?“ Weiterlesen

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Story-Special auf CUTurMAG

ed„Die Welt ist unser aller Haus“

Diesen wunderbaren Satz sagte die Philosophin Frigga Haug. Er stellt so umfassend dar, wie bedeutsam es ist, dass sich unsere Gesellschaft als Gemeinschaft – als Welt-Haus-Gemeinschaft – versteht, weil der Individualisierung natürliche Grenzen gesetzt sind, dass wir  ihn zum Motto unseres Story-Specials gemacht haben …

Wenn Sie dem Link folgen, enthüllen sich Ihnen die Geschichten: STORY-SPECIAL

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Vom gelben Stern über Südafrika bis zu Mimis Schnapskirschen

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Geschichte ohne Sicherheitsabstand

von Else Laudan

Du kannst mit guten Romanen durch die Zeit reisen und um die Welt. Beim Lesen macht dein Geist die Bilder, anders als bei Filmen, und verstärkt das Gefühl, dabeigewesen zu sein. So kann ein Abschnitt der Geschichte, der vor der Lektüre aus abstrakter Kenntnis und Unkenntnis zusammengesetzt war, nach der Lektüre radikal belebt sein, als wärst du beteiligt gewesen, als hätte die geschilderte Zeit etwas Erinnerbares in dir hinterlassen, so wie selbst gelebte Geschichte Spuren in dir hinterlässt und was mit dir macht.

An meiner letzten Schule war Der gelbe Stern gelber-sternxPflichtlektüre, wir sahen mit 15 im Filmraum die Bilder von KZs, sprachlos, bedrückt, entsetzt oder wütend. Das Grauen war schwarzweiß. Schwarzweiß die Bilder, die im Gedächtnis hafteten als Chiffre für ungeheuerliches Unrecht, verbrecherische Politik, ekelerregende Hybris, perverse genozide Gewalt. Ich erfuhr Einiges darüber und fand es auch notwendig, zu wissen. Dass die gesamte Zeit 1933–1945 in meiner Vorstellung schwarzweiß war, fiel mir nicht auf. Bis es sich änderte. Weiterlesen

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Unser Kolloquium im August: Kaiserslautern/Pirmasens

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Position – Die Mauer muss fallen

katja_ret-200x300Von Katja Bohnet

Du kannst als Schriftstellerin nur Feministin sein. Die Frauen, die es noch nicht sind, werden dazu. Noch nie habe ich Frauenfeindlichkeit so subtil wie im Literaturbetrieb erlebt. Es ist diese salonfähige, höfliche Misogynie. Mir hat, seitdem ich schreibe, nie ein Mann an die Brust gegrapscht oder sexuelle Gefälligkeiten eingefordert. Nie. Aber Männer erklären dir nett die Welt. Männer zeigen dir höflich, wo dein Platz ist. Männer loben dich, halten dir die Türe auf, aber sie lesen deine Romane nicht. Männer benutzen für deine Arbeit schwache Worte und Verben, für die Arbeit ihrer Buddys nicht. Viele Männer sind schlecht vorbereitet, wenn sie mit dir zusammen arbeiten. Manche Männer ignorieren dich auf eine höchst charmante Art.
Natürlich sind nicht ALLE Männer so. Aber die überwiegende Mehrheit, zu viele allemal.
Diese bunt und fröhlich angemalte Mauer, die dort steht, weil sie schon so lange dort ist, diese Mauer muss fallen.
Kaum zu glauben, wie lange sich diese dezente Frauenfeindlichkeit schon hält.
Romane von Männern werden vorgestellt und besprochen.
Schriftstellerinnen schauen zu.
Männer empfehlen Männer.
Schriftstellerinnen sehen zu.
Männer werden als Professoren, Redner und Dozenten eingestellt.
Im Publikum sitzen mehrheitlich Frauen und hören zu.
Männer schreiben über Männer.
Frauen kaufen und lesen ihre Texte.
Männer besetzen leitende Positionen.
Frauen arbeiten zu.
Männer moderieren Sendungen und laden Männer dazu ein.
Frauen sehen zu.
Auf Männer hört die Welt.
Frauen hören zu. Weiterlesen

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#verlagegegenrechts

Wie Zoë Beck #verlagegegenrechts initiiert, mitorganisiert, mitgestaltet und erlebt hat … Ein voller Erfolg war und ist das Projekt.

Zoë Beck

Es war fürchterlich anstrengend. Das Bündnis auf die Beine zu stellen und sich quasi von Tag 1 an gegen Anfeindungen (aus allen Richtungen) wehren zu müssen, die Veranstaltungsreihe „Die Gedanken sind bunt“ mit 13 Podien zu planen, Materialien zu organisieren, Interviews zu geben, Kampagnenarbeit zu leisten … Natürlich war es anstrengend. Dazu die Anspannung, die durch die täglich eintreffenden Drohungen (von Rechts) beständig wuchs, und ganz nebenbei haben alle von uns noch ihre übliche Arbeit zu leisten. Kurz vor der Messe hätten wir schon Urlaub gebraucht, ein halbes Jahr mindestens, einsame Insel, von mir aus auch Finnland, da sprechen die Menschen wenigstens nicht so viel.29315196_557763147929902_8758297322888101888_n

Und jetzt, hinterher, sind wir glücklich und froh und irgendwie auch ein wenig stolz, dass alles so wundervoll gelaufen ist, viel besser, nein: sehr viel besser, als wir auch nur zu hoffen gewagt hatten.

Die Kundgebung auf dem Augustusplatz am Mittwoch vor der offiziellen Eröffnung…

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Leipzig liest kriminalistisch – Und wir sind hier:

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 Wir sind auf der Leipziger Buchmesse!

HERLAND ist ein Netzwerk von Frauen, die an unterschiedlichen Orten der kriminalliterarischen Buchproduktion wirken. Sie verstehen sich als politisch, feministisch, gottlos, aufbrechend, gegen rechts, antikapitalistisch, antipatriarchal und erfolgreich.
Allen Autorinnen ist der feministische Ansatz gemeinsam. Literatur von Frauen, gerade mit politischen Themen, verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihr momentan zuteil wird. Deshalb gibt es auch dieses Blog mit Essays, Storys, Literaturempfehlungen, Satirischem, geschrieben mit einem kritisch-weiblichen Blick auf die Welt.

Ort: Central Kabarett, Krimikeller, Markt 9, 04109 , Leipzig (Zentrum)
Wann? 21:00 bis 23:00 Uhr
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8. März – Internationaler Frauentag

Danke für die Blumen, Jungs!

 

narz

Wir nehmen gern noch gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Interessenausgleich in den Familien, gesellschaftliche Positionen inklusive der Verantwortung und Hühnersuppe mit dazu. Falls das gelingt, kommt im nächsten Jahr der ganz große Strauß zu Euch!

narz1

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“I am sick of the silence of women.”

In memoriam Ursula K. Le Guin.

Macht korrumpiert nicht nur, sie macht abhängig. Arbeit wird zu Zerstörung. Nichts wird aufgebaut. Gesellschaften verändern sich mit und ohne Gewalt. Neuerfindung ist möglich. Aufbauen ist möglich. Was für Werkzeug haben wir zum Aufbauen außer Hämmern, Nägeln und Sägen – Bildung, Denken lernen, Lernen lernen?

Gibt es tatsächlich Werkzeuge, die noch nicht erfunden sind, die wir erst noch erfinden müssen, um das Haus zu bauen, in dem wir unsere Kinder leben sehen wollen? Können wir von dem ausgehen, was wir schon wissen, oder hält uns das, was wir schon wissen, davon ab, zu lernen, was wir wissen müssen? Um zu lernen, was die nichtweißen Leute, die Frauen, die Armen zu lehren haben, um das Wissen zu lernen, das wir brauchen – müssen wir da alles bisherige Wissen verlernen, das der Weißen, der Männer, der Mächtigen?

Le Guin

 

Quelle:
https://www.brainpickings.org/2016/05/06/ursula-k-le-guin-freedom-oppression-storytelling/

 

Photographed by William Anthony

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