Frauen im Film

Frauen im Film. Kein neues Thema, schon gar nicht seit dem Bechdel-Test. Den gibt es übrigens seit 1985, und nicht viel hat sich seither geändert. Weibliche Hauptrolle? Frauenfilm (Liebe, Kitsch, Beziehungsscheiß) für Frauen. Männliche Hauptrolle? Ach, das schauen sich doch alle gern an.

Warum fange ich heute wieder damit an? Weil es so lange Thema sein muss, bis sich wirklich etwas geändert hat. Zu wenig Frauen vor der Kamera hat natürlich auch Auswirkungen auf den Bereich der Filmsynchronisation, in dem ich ebenfalls arbeite. Die deutschen Sprecherinnen klagen über fehlende Rollen, vor allem, wenn sie ein gewisses (Stimm-)Alter überschritten haben. Ältere Frauen, wer will die schon sehen. Dank neuer Serienproduktionen für Netflix & Co. hat sich ein bisschen was verbessert. Weibliche Hauptfiguren bei “Star Wars”. (Oh, wisst ihr noch, wie sie damals Captain Janeway bei “Raumschiff Voyager” als große Sache gefeiert haben?) Serien wie “Jessica Jones”. Aber es ist noch ein weiter Weg, immer noch, und nur, weil es „Orange Is The New Black“ gibt, eine Serie, die an diversity kaum mehr zu überbieten ist, heißt es nicht, dass sich die vornehmlich männlichen Film- und Fernsehproduzenten dieser Welt in Ruhe zurücklehnen können. Der Auftrag ist erst dann erfüllt, wenn diversity in Sachen Gender und Ethnien und Alter und Körpergewicht und sozialer Herkunft usw. normal ist, und nichts, was angestrengt geplant und ausgerechnet werden muss (“Oh, uns fehlt noch ein Schwarzer!”, “Vielleicht schreiben wir noch eine dicke Frau rein? So als comic relief?”, “Haben wir den ehrlichen Arbeiter drin?”). Weiterlesen

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Wikipedia löscht Autorinnenvereinigung

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Ute Hacker

Unnötig, unwichtig  – nicht relevant, wie es fremdwortautoritär heißt -, so das Urteil der Männer.

Die Frauen, die dagegen hielten, hatten keine Chance. Die Herren von Wikipedia haben den Eintrag „Autorinnenvereinigung“ gelöscht. Das teilte Ute Hacker, die Vorsitzende, heute mit.

Warum sich die Säuberungswut ausgerechnet gegen den Artikel über die Autorinnenvereinigung richtet, ist sachlich nicht zu erklären. Unsachlich aber schon: Wikipedia ist eine Spielwiese für Männer, die sich selbst genügend Wissen zusprechen, Weltsicht zu vermitteln. Und die zeigen jetzt mal kurz, dass sie die Definitionsmacht auf jeden Fall behalten wollen. Wikipedia ist nämlich für Männer. Und die wählen ein AfD-Mitglied  ins höchste Schiedsgericht, das über Konflikte unter Usern entscheidet, womöglich eben auch über den Konflikt „löschen“ oder „nicht löschen“.  Weiterlesen

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Gelesen und gelebt – über „Messertanz“ von Katja Bohnet

In den letzten Jahren ist die Halbwertszeit von Romanen auf die von Burgern geschrumpft, bei vielen Büchern zu Recht, denn sie entsprechen in Geschmack und Konsistenz denen von Fast Food. „Messertanz“ nicht. Das bemerkenswerte Debüt von Katja Bohnet ist 2015 erschienen und soll dem Zeitstrudel entrissen werden, finden Anne Kuhlmeyer und Else Laudan.

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von Anne Kuhlmeyer

Für den einen ist Familie der Platz, an dem es Zuwendung und Hühnersuppe gibt, für den anderen ist sie ein Ort der Gewalt und des Grauens.

Rosa Lopez, Ermittlerin beim LKA in Berlin, wird zu einer schlimm zugerichteten Leiche in die Tristesse der Plattenbausiedlung Marzahn gerufen. Begleitet wird sie von Viktor Saizew, der gar nicht dabei sein dürfte, weil er wegen der Anfälle, unter denen er neuerdings leidet, zum Doc müsste. Der gigantische Viktor und die einsilbige Lopez sind ein eingeschworenes Team. Mit Geheimnissen.

Die russische Einwanderin in Marzahn bleibt nicht die einzige Tote. Man könnte meinen, ein irrer Serientäter gehe um. Aber so ist es nicht. Das heißt, irre ist der Mann, der für den Tod der Frau und für den anderer Menschen verantwortlich ist, nicht. Er hat, wenn schon keine guten, so doch plausible Gründe für sein Tun. Antisoziales Verhalten ist zwar ICD-10 codiert, aber es ist nicht ver-rückt, andernfalls müsste man die Hälfte der Menschheit als irre verstehen.

Katja Bohnet, 1971 geboren, Barkeeperin, TV-Moderatorin, Reisende und Mutter, zeichnet die Figuren in ihrem Debütroman einfühlsam, facettenreich, komplex und glaubwürdig. Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis auch den Täter, der ohne Vernetzung mit Institutionen außerstande wäre, in dem Ausmaße kriminell zu handeln, wie er es tut. Mord ist gewissermaßen nur eine Nebenwirkung seiner Biographie, die mit der von Viktor verknüpft ist. Wie der Täter musste sich Viktor als Heranwachsender durchschlagen, im Wortsinne, hatte aber Glück mit seiner Großmutter. Liebe, Forderung und Förderung als Ressourcen führten ihn nicht in die Kriminalität, sondern zur Polizei. Die Kante in seinem Leben, an der es anders hätte kommen können, ist schmal und überzeugend dargestellt. Weniger überzeugend scheint der Umstand, dass man Viktor mit seinem Anfallsleiden nicht sofort aus dem Verkehr zieht.

Über solch kleine Holperigkeiten muss man hinwegsehen, denn der Roman ist wegen seiner sprachlichen Brillanz, den lakonischen Dialogen, der dichten Atmosphäre und der kreativen Bebilderung ein Vergnügen.

Er wird getragen von eigenwilligen Charakteren wie Lopez, deren Sohn als Kleinkind verschwand, der einbeinigen Tonja mit der sonoren Stimme und der behinderten Tochter, oder der quirligen Rechtsmedizinerin, die ihr Adoptivkind liebt, gleichgültig wie sehr es sie herausfordert. Mütter sind sie, Frauen mit Kraft und Trotz und Optimismus entgegen dem Wahrscheinlichen, weil es keine Alternative gibt. Alle haben Gewalt und Schicksalsschläge erlebt – und sich nicht abgefunden.

Es geht nicht alles gut aus, so viel sei verraten, das kann es auch nicht. Doch auf die Weise lässt der Schluss dieses großartigen Debüts auf eine Fortsetzung hoffen.

Katja BohnetMessertanz, Thriller, Droemer-Knaur, München, 2015, 304 Seiten, 9,99 Euro


Was ich mit „Messertanz“ erlebte

von Else Laudan

Zuerst

Obwohl ich ganz schlimme Vorurteile gegen die großen Mainstream-Verlage habe, besorgte ich mir voller Neugier das Debüt von Katja Bohnet, „Messertanz“. Mein erster, äußerlicher Eindruck fütterte mein Vorurteil: Titel & Cover reißerisch, wie ein Metzelthriller, zu dem ich nie gegriffen hätte, wäre mir die Autorin nicht im Internet als gute Kritikerin aufgefallen. Dazu passt anfangs noch der plakativ drastische Einstieg in den Text – üble Szene aus Opferperspektive (auf so was steh ich gar nicht) – allerdings bemerkenswert geschrieben! Hohes Tempo, dichte Atmo, keine Redundanzen, kein Wort zu viel. Nach dem Prolog: Auftritt der 1. Ermittlerfigur, Victor Saizew. Voll fertig, der Typ – dabei aber originell, keine Skandinavien-Kopie, sondern ganz eigen. Ebenso düster, verhärtet und glaubwürdig kommt die 2. Ermittlerfigur Rosa Lopez ins Bild. Überhaupt sind all die (zahlreichen) Figuren spannend, die meisten ziemlich kaputt, beschädigt von berlin1den Verhältnissen würde ich das nennen, und das macht Katja Bohnet echt absolut großartig: zeigen, dass und wie man an dieser Welt kaputtgeht, krank wird, verbogen, traumatisiert, wenn man was merkt.

Dabei ist das Ganze keineswegs hauptsächlich depressiv, sondern in erster Linie rasant, knapp, aber auch feinsinnig und welthaltig, bissig und manchmal witzig. Es ist ganz klassisches Hardboiled, was Katja Bohnet da schreibt, voller einsamer Held/innen, und hier fange ich an, sie zu feiern: Anders als die Mehrheit deutschsprachiger Autor/innen kann sie Hardboiled ungeheuer gut, die Sprache ist mühelos und knackig, die Pointen flink, die Charaktere und Settings lebendig! Chaotisch und ruppig zeigt sich ein Berlin voller Russ/innen (und anderen Migrant/innen der ersten, zweiten, dritten und vierten Generation), eine Gegenwart voller Gewalt und Machtspiele und Unmoral und Verbrechen – und doch gebären die Figuren auch immer wieder Hoffnung, manche mit Leichtigkeit, andere nur mit sehr viel Mühe. Das ist cool und stimmig, ist knallharter Realismus in kriminalliterarischer Form, liest sich ruckzuck weg. Ich möchte mehr davon.

Dann

Ich beschloss, euphorisch, das Buch im Juli als außerordentlich gelungenes Debüt bei unserer nächsten „Noir.au Bar“-Diskussionsrunde vorzustellen (alle 2 Monate debattieren wir in der schönen Bar 439 im Hamburger Schanzenviertel über 3 relevante Kriminalromane, mehr Infos auf www.talk-noir.de). Die beiden Kollegen, mit denen ich das mache (1 Buchhändler, 1 Verleger), haben ganz ähnliche Ansprüche ans Genre wie ich, und ich war mir sicher, das Buch würde sie genauso im Sturm erobern.

Aber weit gefehlt! Ich bekam stereo heftigen Protest an die Backe – natürlich argumentativ, das ist der Stil der „Noir.au Bar“-Abende, aber die sorgsam belegten Argumente erwischten mich unvorbereitet. Es ging um den Plot: Mühsam hingebogen sei er, stellenweise durchhängend mit haarsträubenden Zufällen und Konstellationen jenseits der Glaubwürdigkeit. Jeder hatte Beispiele. Und das Ende missfiel beiden.

berlinIch geriet in Zwiespalt. Ich finde das Buch großartig und will es feiern, empfehlen, verteidigen. Ich finde zugleich, meine Mitstreiter haben irgendwie auch recht – was sie anführen, lässt sich nicht leugnen. Das Ende – nun ja, ein Ende, wie es sich nach dem Showdown anbietet, vielleicht kein großer Wurf, aber auch kein Griff ins Klo. Zugegeben, es gibt leicht willkürliche Wendungen, ach ja, stimmt schon. Ja, im Kleinen wohl auch Ungereimtes, nennen wir es minderschwere Plausibilitätszumutungen. Aber mal ehrlich – was juckt mich das, wenn der Ton stimmt, das Tempo rund läuft, die Figuren mich in Bann schlagen? Wenn ich als Story die Art von Realismus vorfinde, die mir ein Herzensanliegen ist – glaubwürdige, widersprüchliche, interessante Menschen im Ringen mit der täglichen Scheiße, während verdeckt noch üblere Scheiße läuft, die sie aufdecken müssen? Wenn das Ganze hochdramatisch und doch lakonisch ist, dunkel und witzig, kurz: mitreißend hardboiled … (hab ich schon erwähnt, dass ich hardboiled innig liebe, seit ich 11 bin?)

Mich beschleicht wieder mal der Verdacht, dass mir Plotfragen einfach nicht so wichtig sind. Viel, viel mehr bedeuten mir nun mal Schreibweise und Blickwinkel auf die Welt, handelnde Personen, Milieu und Stimmungen, Stilistik und Charisma. Das sage ich auch und handele mir erschrockene Seitenblicke ein – darf ich als Krimiverlegerin und -lektorin einfach verkünden, dass mir der Plot eher wurscht ist? Disqualifiziert mich das vielleicht?

noirTrotzdem

Meinen (wirklich, ganz ehrlich!) hochgeschätzten Mitdiskutanten werfe ich an den Kopf, dass sie argumentieren wie patriarchale Erbsenzähler. Seht ihr denn nicht, dass hier ein kostbarer Kulturbaustein vorliegt, ein buchförmiger kleiner Befreiungsschlag für den deutschsprachigen Krimi, der sich doch so dringend aus den Niederungen des Biedersinns herausentwickeln und vom leidigen Schema-Gehäkel emanzipieren muss? Spürt ihr denn nicht das gewaltige Potenzial dieser Autorin, die Courage ihrer Schreibe, die Befreiung vom spießigen Muff?

Die Kollegen, das muss ich dazusagen, haben an diesem Abend zwei Bücher vorgestellt, die ich ebenfalls liebe, von zwei ganz großen anglophonen Genre-Autoren, nämlich Garry Disher: „Bitter Wash Road“ und Ken Bruen: „Füchsin“. Mag sein, dass diese beiden etwas feiner gekämmte Plots haben als „Messertanz“. Mag auch sein, dass die Messlatte da enorm hoch liegt, zumal für ein Debüt.

Aber ich verteidige meine Wahl, zumal ich noch eine leicht andere Vision im Kopf habe als die Jungs: Ich möchte großartige Kriminalliteratur mit feministischem Einschlag. Ich möchte Hardboiledkrimis und Noir-Romane von Frauen, in denen Frauen vorkommen oder vielmehr Menschen allerlei Geschlechts mit all ihren Nöten und Krisen, nicht bloß der klassische Männerreigen. Weil nämlich der patriarchale Blick, genau wie der koloniale, die herrschende Perspektive ist, die immer und überall als Normalität gelten darf, und zugleich genau die Herrschaftsperspektive, die die Welt in die Scheiße reitet. Was übrigens Ken Bruen, der alte Zyniker, und Garry Disher, der alte Romantiker, durchaus auch wissen, wie praktisch alle meine Lieblingsautoren, und in ihren Romanen immer wieder durchblitzen lassen. Doch das reicht mir noch lange nicht. Ich will, dass kühn schreibende Frauen ihren gerechten Anteil an der literarischen Weltsicht erobern, im Genre und überhaupt. Und für mich gehört Katja Bohnet zu denen, die daran mitwirken können. Erst recht, wenn sie mit jedem Buch besser wird, wovon ich schon mal ausgehe.

Also, an alle: Bitte lest „Messertanz“ und findet heraus, was euch mehr bedeutet: ein restlos aufgeräumter Plot oder echtes hartgesottenes Charisma. Ich wähle das Charisma.

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Wir wissen nicht, wie groß wir sind,

bis sie uns zum Aufstehen zwingen.

Und wenn wir es dann wirklich tun,

wird unser Kopf durch die Wolken dringen.

 

Emily Dickinson (1830–86) emily_dickinson_dag

Emily Dickinson: Sämtliche Gedichte
Zweisprachig
Übersetzt, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Gunhild Kübler
1408 Seiten, 49,90 €(D), 51,30 € (A), 66,90 sFr, ISBN : 978-3-446-24730-7, HANSER 2015
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Alle Männer ausweisen?

mordfall-anke-kDie Diskussion läuft falsch. In Freiburg wurde ein junger Afghane festgenommen, weil er in Verdacht steht, eine junge Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. In den sozialen Netzwerken tobt die Diskussion. Die Vernünftigen sagen, dass ein solcher Sexualmord nicht einer Gruppe zur Last gelegt werden darf, nämlich den Geflüchteten, die wir hier aufgenommen haben.

Viele erliegen der Versuchung, die Tat irgendwie erklären zu wollen. Einige glauben, mit mehr Aufmerksamkeit hätte sie verhindert werden worden. Aber das geht alles nicht. Solche Taten sind Einzeltaten einzelner (und sehr weniger) Männer, und es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass sie an Nationalitäten oder Lebenserfahrung geknüpft seien oder vom familiären oder sonstigem Umfeld hätten im Vorfeld erkannt und verhindert werden können.

1985 wurde in Bochum eine Freundin von mir von einem Triebtäter (wie man damals noch sagte) ermordet, nachdem er vorher zwei weitere junge Frauen ermordet hatte. Weiterlesen

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Schnipselchen

… diesmal gefunden von Anne Goldmann:

„So lange um uns herum Chaos und Gewalt existieren, wird es auch Krimis 
geben, aber ab dem Tag, an dem es nirgends mehr Gewalt und Chaos gibt, 
höre ich sofort auf, Krimis zu schreiben.“

Liza Marklund

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5 Punkte, wie du kommunizieren kannst, ohne deinen Nächsten auf die Zwölf zu hauen – #respectspeech!

Wort & Tat

dsc_3858_2660Wir merken es alle – in der U-Bahn, in der Arbeit, auf den Schulhöfen, im Netz. Der soziale Umgang ist rau, euphemistisch ausgedrückt. Wer kann nicht von Beschimpfung, Herabsetzung, Drohung, Pöbelei oder gar handgreiflicher Gewalt berichten? Je nach Position, Kontext, konkreter Situation und Ausmaß doch sicher jede*r. Draußen auf den Straßen tummeln sich Zukurzgekommene, Verschwörer und ihre Theoretiker, Schläger, Einfältige und Brandstifter. Im Netz verstecken sie sich nicht einmal mehr hinter Aliassen. Sie schüren Angst und Hass und projizieren das verquaste Paket auf „die Anderen“, wobei „die Anderen“ nicht genau definiert sind. Die sind halt irgendwie … anders. Will heißen, schlecht. Auf jeden Fall schlechter als man selbst. Und sie nehmen sich etwas, das ihnen nicht zusteht: Arbeit, staatliche Fürsorge, Wohnraum, Unabhängigkeit ect. Kurz: Lebensgrundlagen. Insofern sind „die Anderen“ schuld am Elend, besonders am zukünftigen Elend, der Richtigen, Rechten, Rechtgläubigen, derer, die den rechtmäßigen Anspruch bei sich wissen. Der Mechanismus…

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Women In Translation – ein Interview

Marcia Lynx Qualey hatte vor einer Weile Zoë Beck für diesen Blogeintrag interviewt. Sie wollte wissen, wie es in anderen Ländern um die Übersetzung von Autorinnen steht, und was getan werden könnte, um die Situation zu verbessern. Dazu sammelte sie viele Stimmen. Danke, Marcia, für den tollen Einsatz!

Das gesamte Interview mit Zoë wollten wir aber dann doch noch mal in voller Länge bringen:

MLQ: Why do you think an initiative like Women in Translation month is important? Does it have any drawbacks? Of course I have received a message from a male writer telling me it is sexist. 🙂

ZB: If we actually had true equal rights, it would be sexist. Until we reach that point, one thing is true for many professional fields: Women need to become more visible. Weiterlesen

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Eine was-wäre-wenn-Geschichte …

Manfred, die Verschwundenen und das BGB

Ich einmal drüber nachgedacht, was passieren könnte, wenn rechtspopulistische Forderungen nach Aus- und Abgrenzung Wirklichkeit würden. Diese Kurzgeschichte ist dabei herausgekommen.

dsc_0898Am 30. November klingelte der Wecker pünktlich um 5:30 Uhr. Der Wecker war die einzige Konstante an diesem Tage, doch das ahnte Manfred noch nicht. Dass etwas nicht stimmte, merkte er, als seine Füße vergeblich nach den Hausschlappen fahndeten. Vorsorglich missgestimmt, wuchtete er seinen Leib in die Senkrechte, kratze sich am Sack und brüllte: „Uschi!“
Im Haus blieb es still. Manfred tappte ins Bad, pisste und unterzog sich einer auf ein unvermeidliches Minimum reduzierten Toilette. Kein Laut im Haus bis auf das Plätschern von Urin und Wasser. Der Stuhl, auf dem üblicherweise seine frischen und farblich aufeinander abgestimmten Kleider warteten, war leer.
„Uschi!“
Nichts.
Noch etwas fehlte, nur kam er nicht gleich drauf. Erst als er in die Küche schlurfte, durch deren Fenster die Straßenlaterne herein leuchtete, sah er es. Nämlich: Nichts. Kein Frühstück, kein Kaffee, nicht einmal sein Duft.
„Wo, zum Teufel …“ Er knipste das Licht an. Die Küche glänzte sauber. „Uschi! Du blöde Kuh. Ich muss los. Mach gefälligst … “ Er lief die Treppe wieder hinauf ins Schlafzimmer, suchte im Kinderzimmer, das nie Kinder beherbergt hatte, raste in die Waschküche, die Uhr tickte, Uschi blieb verschwunden. Er tigerte auf und ab, wählte ihre Nummer – Mailbox. Inzwischen war es 5:45 Uhr. 6:00 Uhr fuhr der Bus. Manfred fluchte, stellte eine Tasse unter die Düsen des Kaffeevollautomaten, eilte nach oben, riss die Tür vom Kleiderschrank auf und entdeckte die Leere auf Uschis Seite. „Scheiße.“ Blut schoss ihm ins Gesicht. „Das war das letzte Mal, dass … Ich … Verdammt.“ Er musste sich am Bett abfangen, als er in eine Hose stieg. 5:50. Runter zum Kaffee. Die Maschine brodelte und füllte die Tasse. Mit Wasser. Manfred krachte sie ins Spülbecken und rannte los. Aus den Augenwinkeln entdeckte er, dass sein Audi nicht am Straßenrand parkte und seine Wut erstürmte eine neue Klippe. Als er an der Haltestelle ankam, war es 5:59 Uhr. Geschafft. Die Aufgabe, seinen umfangreichen Körper mit Sauerstoff zu versorgen, beanspruchte seine gesamte Aufmerksamkeit. Nach einer Weile bemerkte er, dass ungefähr zwanzig mürrische Männer mit ihm auf den Bus warteten, fünfzehn von ihnen, die nie den Sechs-Uhr-Bus nahmen. Alle tippten auf ihren Smartphones herum, telefonierten, wetterten.
„Seit zwei Stunden fährt nichts, nicht mal ein Ersatzbus. Diese scheiß Kanaken von Busfahrern. Rausschmeißen sollte man die! Alle!“, sagte ein Mann mit Jogginghose und Basecap. Weiterlesen

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Ein Preis für Autorinnen – der LiBeraturpreis

Quelle: Wikipedia. Von Masbrum - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47033466

Quelle: Wikipedia. Von Masbrum – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47033466

Es gab bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse noch eine Preisverleihung, über die allerdings nicht so viel gesprochen und geschrieben wurde wie beispielsweise über den Friedenspreis, der an Carolin Emcke ging (worüber wir uns wahnsinnig gefreut haben!): Den LiBeraturpreis 2016 bekam die indonesische Autorin Laksmi Pamuntjak für den Roman „Alle Farben Rot“.

Den LiBeraturpreis gibt es seit 1987, und seit 2013 vergibt ihn die Litprom, ein Verein, der Literatur aus Lateinamerika, Afrika, Asien und der arabischen Welt in Deutschland bekannter machen will. Hier die Beschreibung des Preises:

„Zugrunde liegt die Tatsache, dass Übersetzungen aktueller Werke von Autorinnen aus den entsprechenden Ländern auf dem deutschen Buchmarkt immer noch stark unterrepräsentiert sind und weiblichen Stimmen nach wie vor eine deutlich geringere mediale Aufmerksamkeit zukommt. Weiterlesen

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